Spendenaufruf nach der Flut (Entwurf von Helmut Reuter)
Naturkatastrophe
Hochwasserwelle überrollt unser Dorf
Aktuelle Lage
Danke für Ihr Angebot uns, die hart betroffenen sind, zu helfen. Sie
alle haben in den Medien vernommen, das eine Naturkatastrophe unseren
kleinen idyllischen Ort zu einem großen Teil zerstörte. Es erreichten uns
jede Menge dringend benötigter Sachspenden. Doch jetzt sind die Lager voll
und es sind keine Kapazitäten mehr frei. Mehrere Lagerstätten haben wir in
den Nachbardörfern, die von der Katastrophe nicht betroffen sind,
angemietet, sodass wir die vielen anderen Dörfer im weiteren Lauf der Ahr,
die in den Medien nicht erwähnt werden, versorgen werden. Was jetzt
dringend gebraucht wird, ist finanzielle Unterstützung für die Ersthilfe
und den Beginn des Wiederaufbaus, zu dem Sie mit einer Spende beitragen
können. Hierfür haben wir Spendenkonten eingerichtet:
[Die Kontoangaben wurden entfernt]
Wir bedanken uns für Ihre Anteilnahme, Unterstützung und Spende.
Chronologie
Am Mittwoch, den 14. Juli 2021 um 17:00 Uhr war der Pegelstand der Ahr
bereits besorgniserregend, doch niemand rechnete mit mehr als einem
gewöhnlichen Hochwasser.
Um 18:10 Uhr überrollte eine Hochwasserwelle mit einem Pegelstand von 8,67
m unseren kleinen idyllischen Ort. Zum Vergleich, die frühere Rekordmarke
lag bei xxxx. Das Hochwasser erfasste als erstes den Campingplatz und riss
alles mit sich. Im Ort angekommen suchte sich die Flutwelle u. a. einen
Weg zwischen der früheren Tankstelle Zeyen und der Bäckerei Schlösser und
riss fort, was im Wege stand und hinterließ dabei eine Schneise der
Verwüstung. Ganze Straßenzüge wurden weggespült, Häuser gingen in den
Fluten unter und wurden völlig zerstört. Viele weitere sind nicht mehr
bewohnbar und müssen abgerissen werden.
Unter eigener Lebensgefahr rette Daniel K. im Ortsteil Domhof eine junge
Familie mit ihrem Baby aus einem Fenster. Eine junge Frau harrte im
Ortsteil Deistig, in dem unter Denkmalschutz stehende Gebäude »Wurst«, 12
Stunden in ständiger Lebensangst von den tosenden Wassermassen umgeben auf
dem Speicher aus. Wohnwagen und Autos trieben im Wasser, als würden sie
einen »Walzer tanzen« und blockierten den Durchfluss an den Ahrbrücken.
Ähnlich dem Hochwasser aus dem Jahr 1910, wo Bauholz, das zum Bahnbau
bereit lag, abtrieb und die Brücken niederriss.
Entlang der Ahrkrümmung wurden ganze Böschungen weggespült, sodass
Wanderwege nicht mehr bestehen. Der Mühlenbach, der die nahezu 200 Jahre
alte Mühle von Schuld speiste, ist von Geröll zugeschüttet. So erging es
auch Achim H. mit seinen Forellenteichen, der dankbar ist, mit dem Leben
davon gekommen zu sein. Sein einziger Besitz, der ihm geblieben ist, ist,
was er am Leibe trug. Eine kleine Landzunge hatte Karl Heinz H. mit Buchen
bepflanzt, die 20 Jahre alt waren. Die gesamte lauschige Stelle ist
einfach nicht mehr da. Das Hochwasser hat die ganze Ecke, einschließlich
des Abenteuerspielplatzes der jungen Leute dermaßen verändert, dass man
sie nicht mehr wiedererkennt.
Kein Ortsteil, Neuschuld, Bahnhof, Deistig, Domhof und Überahr blieben
verschont. Die Stefansbrücke hielt dem Wasserdruck nicht stand und ist
ebenso wie der Ahr-Radweg einfach nicht mehr da, wie auch der Campingplatz
der Familie B. Strom, Wasser, Mobiltelefon und Internetverbindungen wurden
unterbrochen. Noch am gleichen Abend errichtete Irmgard L. auf dem
Kirchplatz eine Versorgungsstelle. Hochwassergeschädigte kamen bei
Nachbarn, Freunden und Hotels im Ort unter. [Es folgen Fotos, die nicht
rekonstruierbar sind]
Tag 1 nach der Naturkatastrophe
Noch in Schockstarre und froh mit dem Leben davon gekommen zu sein,
suchten die Geschädigten verzweifelt in den Trümmern nach wertvollen
Habseligkeiten. Die ersten Helfer aus den Nachbargemeinden Winnerath,
Harscheid und Sierscheid kamen mit kleinen Baggern und Frontlader zur
Hilfe. Man versuchte, die Schlammmassen, die sich in den Kellern
angesammelt hatten, ins Freie zu bekommen. In den ersten Tagen waren wir
auf uns alleine gestellt und nur die aufopferungsvolle Unterstützung aus
den nicht betroffenen Nachbargemeinden kam an.
Humanitäre Hilfe wurde am gleichen Tag vom »Roten Kreuz« und »Unser
Notarzt« übernommen und führen sie weiter. Die ersten Sachspenden,
Nahrungsmittel, Getränke und Medikamente, wurden angeliefert. Ein Notarzt
fuhr von Tür zu Tür, um nach alten Leuten und Kranken zu sehen und
erkundigten sich, welche Hilfe notwendig war.
Eine erste Bestandsaufnahme der Schäden ergab ein niederschmetterndes
Ergebnis. Die Brücke zwischen der Ortsteilen »Domhof« und »Überahr« ist
zerstört und alle Straßen nach Schuld, bis auf die eine, die über
Winnerath nach Adenau führt, mussten erst provisorisch instand gesetzt
werden. Ganze Straßenzüge müssen von Grund auf erneuert werden. Ein
Krisenzentrum wurde im Pfarrheim Schuld eingerichtet. [Es folgen Fotos,
die nicht rekonstruierbar sind]
Tag 2 nach der Naturkatastrophe
Ministerpräsidentin Malu Dreyer besuchte in Begleitung Ihres Innenminister
Roger Lewentz den vom Unwetter geschüttelten Eifeldorf Schuld und
überzeugte sich von dem Ausmaß der Schäden. Mit Minister Lewentz wurde
darüber diskutiert, weshalb der Umsetzer, der für die Mobilfunk und
Internetübertragung wichtig ist, noch nicht an ein Notstromaggregat
angeschlossen wurde. Nach 3 Stunden standen die Verbindungen bis auf die
Glasfaserkabelanschlüsse wieder. Die Bundeswehr rückten mit mehreren
Fahrzeugen an, um die Lage zu sondieren. Den ganzen Tag über mühten sich
die Ortsbewohner mühsam mit Schaufel und Hacke durch die Trümmer. [Es
folgen Fotos, die nicht rekonstruierbar sind]
Am Freitag den 16. Juli 2021, Tag drei nach der Katastrophe, nachdem die
Statik der Brücke zwischen den Ortsteilen »Auf dem Hof« und dem »Deistig«
noch einmal überprüft worden war, rollten schwere Räumgeräte an. Nun sah
man, wie im Stundentakt eine Schutthalde nach der anderen verschwand, die
Trecker mit dem Abraum davon fuhren und wieder andere mit Füllmaterial
ankamen und abkippten.
So gingen die Arbeiten rund um die Uhr bis Sonntag den 18.06.2021 weiter.
Auch wenn das Gröbste weggeräumt ist, so wird das Chaos uns eine Zeit lang
begleiten. Es gilt noch riesige Berge von Unrat, Bäumen und Sträuchern und
Schrott zu beseitigen. Einige Baulücken, wo vorher Anwesen und Gebäude
standen, werden uns immer schmerzlich an das erinnern, das wir an diesem
furchtbaren Sommerabend verloren haben.
Die Angst vor weiteren Fluten wird noch lange in den Köpfen sein.
Bundeskanzlerin Angela Merkel konnte sich am 18. Juli 2021 ein
Bild über den Fortschritt der Arbeiten machen und bedankte sich bei den
ehrenamtlichen Helfern. Wir bedanken uns bei allen HelferInnen und
SpenderInnen.
Viele HelferInnen hatten Hunderte Kilometer Anfahrt, brachten Hilfsgüter
und Ihre Arbeitskraft mit. Für die Hilfe sagen wir einfach DANKE.
Es wird nicht mehr der Ort Schuld sein wie er einmal war. Viele
Katastrophen, viele Kriege und zwei Weltkriege wurden überstanden und
unsere Vorfahren haben das Dorf immer wieder aufgebaut. Unsere junge
Generation wird das Dorf »Schuld an der Ahr« wieder aufbauen, um auch in
Zukunft sagen zu können: Herzlich willkommen in Schuld, einem Ort, der
seit über 190 Jahren bei Feriengästen beliebt und ein anerkannter
Fremdenverkehrsort ist, und einer nahezu zweitausendjährigen Geschichte.
Ein Notsteg für Fußgänger wurde noch am Sonntag aufgebaut. So manche Ecke
muss von Geröll freigeräumt, umgestürzte Bäume gefällt und weggeschafft
werden. Eine landwirtschaftliche Weide müsste von Tonnen an Geröll
gesäubert werden. Wie soll man das bewerkstelligen und wohin mit dem
ganzen Geröll?
Jahre, wenn nicht Jahrzehnte werden vergehen, bis die letzten Spuren der
Naturgewalt verwischt sein werden.
Viele Helfer waren vor Ort. Bemerkenswert ist, dass die meisten junge
Leute waren. Eine neue Generation, die zuzupacken weiß und auf die wir
alle stolz sind. Nach dem 7. Tag der Katastrophe ist die Bundeswehr dabei,
Autowracks, PKW`s und einen LKW, aus der Ahr zu ziehen. Eine
Trinkwasseraufbereitungsanlage wird vom Technischen Hilfswerk installiert.
Das Technische Hilfswerk beim Einsatz in Schuld an der Ahr
Trinkwasseranlage in Schuld versetzt; Stand 22.7.2021 17:15 Uhr. [Es
fehlt das Foto]
Die Trinkwasseraufbereitungsanlage ist versetzt worden. Ein Grund ist,
dass für das Wochenende neuer Regen angekündigt ist und die Anlage bisher
am tiefsten Punkt von Schuld stand, fast direkt am Ufer der Ahr. Ein
Feuerwehrsprecher der Verbandsgemeinde Adenau sagte, man habe einen alten
Brunnen reaktiviert. Dadurch könne die Qualität des Trinkwassers aus der
Aufbereitungsanlage nochmals verbessert werden. Ein weiterer Vorteil des
neuen Standorts sei, dass dort Wasser ins vorhandene Leitungsnetz
eingespeist werden könne. Bis das klappt, werde es aber noch mehrere Tage
dauern. Die Wasseraufbereitungsanlage ist jetzt in einer Halle
untergebracht und damit auch vor Wettereinflüssen geschützt.
Für Ihre Hilfe und Spenden: DANKE!!!
Schauen Sie ab und an in unsere Homepage dort werden Sie laufend über den
Fortschritt des Wiederaufbaus informiert.
Impressum & Kontakt Datenschutz Anfahrt Aktuell Verkehrsverein Schuld
an der Ahr, Auf dem Stausten 16, D-53520 Schuld Telefon: +49 (0) 2695 -
..., E-Mail: verkehrsverein_schuld@....de Copyright © 2021
Verkehrsverein Schuld an der Ahr. All Rights Reserved [Der Verein und
die Internetseite existieren nicht mehr.]
Helmut Reuter
Monetäre Spenden für die Gemeinde Schuld
Für die Ortsgemeinde Schuld existiert keine einzelne, öffentlich
bezifferte Gesamtsumme, da die monetären Hilfen über verschiedene,
getrennte Spendenströme direkt an die Gemeinde, den Kreis oder freie
Organisationen flossen. Das System stützte sich auf drei Säulen:
• Sonderkonto „Bürgerfonds“ der Gemeinde : Unmittelbar
nach der Katastrophe wurde über die Verbandsgemeinde Adenau ein
Direktkonto für Schuld eingerichtet [schuld-ahr.de]. Hierüber flossen
hunderte Zuwendungen von Vereinen, Privatinitiativen und Partnerstädten –
von Einzelbeträgen zwischen 5.500 Euro und über 41.000 Euro – direkt an
die Gemeinde zur unbürokratischen Hilfe vor Ort [schuld-ahr.de].
• Zentraler Spendenpool des Landkreises Ahrweiler : Der
Landkreis sammelte zweistellige Millionenbeträge auf einem übergeordneten
Großkonto [kreis-ahrweiler.de]. Aus diesem Pool wurden pauschale
Soforthilfen (wie die direkte Auszahlung von 1.000 Euro pro betroffener
Person) sowie Wiederaufbaumittel nach einem festen Schlüssel an die
Gemeinden – darunter Schuld – verteilt [kreis-ahrweiler.de].
• Überregionale Hilfsorganisationen : Die größte Summe an
privaten Geldern wurde über Bündnisse wie Aktion Deutschland Hilft, das
DRK oder Help e.V. direkt in den Ort vermittelt [swr.de]. Insgesamt wurden
für die Hochwassergebiete über 670 Millionen Euro gespendet, aus denen in
Schuld unter anderem betroffene Familien unterstützt und soziale Projekte
finanziert wurden [swr.de].
(Quellen: Offizielle Bekanntmachungen der Gemeinde Schuld
[schuld-ahr.de], Spendenberichte der Kreisverwaltung Ahrweiler [kreis-ahrweiler.de]
und Nachrecherchen von SWR Aktuell [swr.de])
Wiederaufbauhilfen
Für den Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe 2021 wurden für die
Ortsgemeinde Schuld – ähnlich wie bei den privaten Spenden – keine
separaten, isolierten Gesamtsummen exklusiv für das Dorf veröffentlicht
[schuld-ahr.de, ga.de]. Das liegt daran, dass die staatlichen
Gelder aus dem nationalen 30-Milliarden-Euro-Wiederaufbaufonds
(Sondervermögen „Aufbauhilfe 2021“) über die übergeordneten
Behörden des Landes Rheinland-Pfalz und des Landkreises Ahrweiler
beantragt und kassenmäßig abgewickelt werden [swr.de, zdfheute.de].
Die Verteilung und der aktuelle Stand der Hilfszusagen (Bewilligungen)
gliedern sich wie folgt auf:
1. Für die Gemeinde (Kommunale Infrastruktur)
Die Gelder für die Gemeinde Schuld werden vom rheinland-pfälzischen
Innenministerium schrittweise je nach Planungsfortschritt der einzelnen
Infrastrukturprojekte freigegeben [kreis-ahrweiler.de].
• Verfahren : Die Gemeinde reicht für jedes zerstörte
Objekt (z. B. Straßen, Brücken, das Sportplatzgelände oder kommunale
Gebäude) Einzelanträge ein [wiederaufbau.rlp.de]. Die Kosten für
die Wiederherstellung der kommunalen Infrastruktur werden dabei
zu 100 Prozent vom Staat übernommen [wiederaufbau.rlp.de].
• Größere Einzelprojekte : Zu den millionenschweren
kommunalen Zusagen für Schuld gehören unter anderem die weitreichende
Neugestaltung und logistische Herrichtung des ufernahen Bereichs am
Stausten sowie die Beteiligung an der weitreichenden Notumfahrung über die
Bahntrasse und durch den alten Tunnel [schuld-ahr.de].
• Übergeordneter Kontext : Für den gesamten kommunalen
Wiederaufbau im Landkreis Ahrweiler hat die Summe der staatlichen Zusagen
an die betroffenen Kommunen die Milliarden-Grenze geknackt
[welt.de].
2. Für Privatpersonen (Gebäude und Hausrat)
Die staatliche Unterstützung für geschädigte Privathaushalte wird
vollständig über die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB)
abgewickelt [isb.rlp.de]
• Zusage-Quote : Privatpersonen erhalten aus dem Fonds
regulär 80 Prozent ihrer zuwendungsfähigen Schäden an Wohngebäuden
erstattet; in besonderen Härtefällen ist eine Aufstockung auf bis zu 100
Prozent möglich [swr.de, kreis-ahrweiler.de]. Für verlorenen Hausrat gibt
es festgelegte Pauschalen (z. B. 13.000 Euro für einen
Einpersonenhaushalt) [foerderdatenbank.de].
• Fristen : Die offizielle Antragsfrist für die
private Aufbauhilfe endete nach mehrfachen Verlängerungen am 30. Juni 2026
[wiederaufbau.rlp.de]. Alle bis zu diesem Stichtag vollständig
eingereichten Anträge werden seither sukzessive beschieden und ausgezahlt
[wiederaufbau.rlp.de].
• Übergeordneter Kontext : Für private Schäden im gesamten
rheinland-pfälzischen Flutgebiet (wovon das Ahrtal den größten Teil
ausmacht) wurden durch die ISB bereits weit über zwei Milliarden
Euro an Betroffene bewilligt und ausgezahlt [ga.de].
Hier endet diese umfangreiche Dokumentation, die im Oktober 2026, also gut
fünf Jahre nach dem Flutereignis erstellt wurde. In diesen fünf Jahren ist
vieles erreicht worden, vieles aber auch noch unerledigt. Die Verbindungsstraße
zwischen Schuld und Insul ist ebenso noch in dem damaligen Zustand wie die
völlig zerstörte Brücke in Insul, an deren Stelle noch immer eine
THW-Behelfsbrücke steht. Bei mancher Baulücke kann man sich schon nicht mehr
erinnern, ob diese 2021 entstand oder nie bebaut war. Alles in allem geht das
Leben hier weiter und das ist gut so. Unter der Oberfläche bleibt die Flut aber
immer präsent und man kann sicher sein, dass früher oder später bei den meisten
Unterhaltungen das Thema wieder hochkommt. Und dann zeigt sich, was ich auf
Seite 1 schon einmal geschrieben habe: Wer die Flutnacht erlebt hat, der weiß
immer noch genau, wo er damals gewesen ist, was er gemacht hat und was passiert
ist.
Gregor Jonas (zum Zeitpunkt der Flut Erster Beigeordneter -ab 2023
geschäftsführend- und seit 06/2024 Ortsbürgermeister der Ortsgemeinde
Sierscheid) im Oktober 2026.