Das von Tief „Bernd“ ausgelöste Jahrhunderthochwasser traf Mitteleuropa mit unvorstellbarer Wucht. Besonders das enge Ahrtal wurde zum Epizentrum der Tragödie.
Insgesamt forderte die Naturkatastrophe in Mitteleuropa weit über 230 Menschenleben.
Diese Dokumentation der Folgen der Flut an der Ahr am 14. und 15. Juli 2021 ist den Opfern gewidmet. Natürlich und vor allem denjenigen, die in dieser Nacht ihr Leben gelassen haben und deren Angehörigen, Familien, Freunden und ihrem Umfeld. Aber natürlich auch all denen, die Hab und Gut, ihr Zuhause und ihre Heimat verloren haben.
Die gezeigten Bilder sollen aber auch an Helmut Reuter erinnern, der zu dieser Zeit Vorsitzender des Schulder Verkehrsvereins war. Helmut hat, mit ein wenig Hilfe von mir, die Ereignisse der Flut auf den Seiten des Verkehrsvereins für den Ort Schuld dokumentiert und dabei großartige Ergebnisse erzielt. Er hat versucht, sowohl den Vergleich von vorher und nachher anhand des vorhandenen Bildmaterials zu ziehen als auch die Menschen vor Ort zu Wort kommen zu lassen. Dabei hat er für die Dokumentation der Aufräumarbeiten im Wesentlichen auf die hier gezeigten Fotos zurückgegriffen, die wir gemeinsam gemacht haben. Er hat mich durch Schuld geführt und ich habe fotografiert. Leider ist Helmut im Februar 2024 verstorben und schon unmittelbar danach wurde die gesamte Homepage vom Netz genommen. Soweit mir bekannt ist, gibt es davon leider keine Kopie und die ganze Arbeit ist verloren. Was ich unten zeige, ist daher nicht das Gleiche. Denn ohne die Verwurzelung im Ort kann ich die persönlichen Erlebnisse und Schicksale nicht wiedergeben und ich möchte auch gar nicht erst den Versuch und Anspruch darauf erheben. Ich habe möglicherweise noch die E-Mails, mit denen wir uns immer ausgetauscht haben. Vielleicht lässt sich daraus punktuell etwas rekonstruieren.
Was ich hier zeigen möchte, sind die Bilder, die ich zusammen mit Helmut Reuter ab dem 29.07.2021, also etwa zwei Wochen nach der Flut gemacht habe und die jetzt gut 5 Jahre alt sind. Obwohl meine Frau und ich nicht unmittelbar betroffen waren, sind wir doch inmitten des Chaos aufgewacht und hatten erst einmal andere Sorgen als zu fotografieren. Außerdem wollte ich mich nicht in die Flutwelle der Paparazzi einreihen, die wie die Geier über das Ahrtal hergefallen sind. Und ich wollte aus Respekt vor den Betroffenen auch nicht im Weg stehen. Aber jetzt ist es meiner Ansicht nach Zeit, sich zu erinnern, auch wenn es schmerzlich ist. Denn dies war nicht die erste Flut im Ahrtal und dennoch wusste niemand mehr, was bevorstand. Hätte man sich erinnert, wären vielleicht viele Opfer vermeidbar gewesen.
Jeder, der diese Flutnacht hautnah miterlebt hat, wird sich noch genau erinnern, wo er war, was er gemacht hat und was passiert ist. Solche Erinnerungen verschwinden nicht. Ähnlich hat sich jemand zum 25. Jahrestag von nine/eleven, dem Anschlag auf die Türme des World Trade Centers in New York geäußert. Solch einschneidenden Erlebnisse brennen sich unauslöschlich in das Gedächtnis ein und so geht es mir auch.
Am 14.07.2021 war ich beruflich in der Eifel unterwegs. Es regnete ohne Unterlass und ich konnte beobachten, wie das Wasser in den Gräben und Bächen stieg und stieg. Besondere Sorgen machte ich mir nicht, denn ich hatte 2016 Ähnliches miterlebt - dachte ich zumindest. Noch vor 16:00 Uhr machte ich Feierabend und fuhr mit dem eigenen Auto von Adenau zurück nach Sierscheid. Kurz vor Leimbach kam links von dem Parkplatz bereits eine Menge Wasser über die Straße Richtung Adenauer Bach gelaufen und ich konnte jemanden in einer orangen Warnweste sehen, der offensichtlich in einem Gully herumstocherte.
Vor Dümpelfeld waren einige Bereiche der Wiesen überschwemmt, aber die Straße Richtung Insul, wo der Bach unter der Straße geführt wir, war noch frei. Anders sah es am Ortseingang von Insul aus. Dort kommt von links der Lückenbach und läuft normalerweise unterhalb durch eine Unterführung. 2016, nach dem letzten Hochwasser, wurde diese Unterführung verbreitert, weil da der Bach sich gestaut hat und über die Straße lief und die rechts gelegene Obstwiese mit Geröll bedeckt hatte. Ich hatte diese Situation noch vor Augen, als damals der Ortsbürgermeister Ewald Neiß hilflos dagestanden und sich die Überspülung angeschaut hatte. Und jetzt stand Ewald schon wieder da und trotz der Verbreiterung der Unterführung lief das Wasser schon wieder über die Straße. Und das war nicht nur ein Rinnsal. Dort kam wirklich viel Wasser über die Straße. Allerdings nicht so viel, dass man nicht hätte dadurch fahren können. Dann fuhr ich wie immer im Ort rechts Richtung Brücke und staunte über den Wasserstand der Ahr, die zu dem höchsten Punkt der Brückenbögen vielleicht noch einen knappen Meter Platz hatte. Obwohl es weiter heftigst regnete, kam mir aber nicht in den Sinn, dass diese Brücke nur wenige Stunden später zusammenbrechen könnte.
Zuhause in Sierscheid haben meine Frau und ich zwar den Regen beobachtet, der wie eine Wand herunterkam, uns aber in keiner Weise Sorgen gemacht. Unser Garten stand zwar unter Wasser und an einer Ecke des Hauses stand ebenfalls Wasser, aber es bestand zu keiner Zeit die Gefahr, dass es bei uns eindringen könnte. Der Gully an der Waldstraße, der an der Seite unseres Gartenteichs liegt, fasste die Wassermassen zwar schon lange nicht mehr, aber das aufgestaute Wasser konnte auf der anderen Wegseite Richtung Hang abfließen.
Aus Schönau an der Erft meldete sich zwischendurch immer wieder meine Tochter, die von der immer weiter steigenden Erft berichtete, die am Ende ihres Grundstücks normalerweise als kleines Bächlein verläuft. Aber das Grundstück ist groß und das Haus steht so hoch, dass ich immer beruhigend auf sie eingeredet habe, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass dieser Bach so hoch steigen könnte, um eine Gefahr darzustellen. Trotzdem lief deren Keller voll und nur, weil das unterhalb liegende Grundstück unbebaut war, ist nicht auch von oben das Erdgeschoss durch die Haustür vollgelaufen. Bis dahin fehlten letztlich nur wenige Zentimeter.
Später erzählte mir Alex, der etwa zwei Stunden später Feierabend gemacht hatte, dass er gegen 18:00 Uhr bereits ein ungutes Gefühl gehabt hatte, als er in Insul über die Brücke gefahren ist, weil zu dieser Zeit das Wasser schon fast bis zu dem Scheitelpunkt der Bögen gereicht hat. Aber selbst da kam niemand hier oben auf dem Berg auf den Gedanken, unten im Tal könne jemand in Gefahr sein.
Irgendwann riefen Freunde aus Harscheid an und fragten, ob wir einen Nasssauger hätten, weil langsam Wasser in ihren Keller eindringen würde. Also machte ich mich auf den Weg, das Teil aus der Scheune ins Auto zu verfrachten und mich damit in Richtung Harscheid zu begeben. Ich kam etwa bis zur Höhe des Friedhofs, als mein Handy klingelte und meine Frau mir sagte, dass der Strom ausgefallen sei. Tatsächlich weiß ich nicht mehr genau, ob ich das Gerät noch im Nachbardorf abgeliefert habe, denn ohne Strom ist es ziemlich nutzlos. Aber wahrscheinlich habe ich es gemacht, denn ich kann ja nicht damit gerechnet haben, dass der Stromausfall ganze vier Tage dauern würde.
Gegen 23:00 Uhr sind meine Frau und ich dann mit unseren Hunden raus gegangen, während es immer noch so heftig geregnet hat wie zuvor. Aber irgendwann mussten die Hunde halt raus und wir hatten inzwischen die Hoffnung auf ein Ende des Regens aufgegeben. Im Dorf trafen wir dann eine Gruppe an, die mit Hilfe eines Generators und einer Pumpe dabei waren, einen Keller auszupumpen. Da kam über einen sanften Hang ein ganzer Bach die Wiese heruntergelaufen, um dann im Kellereingang zu verschwinden. Das hatte noch niemand erlebt. Während gepumpt und ein provisorischer Damm gebaut wurde, kam von jemandem die Nachricht, dass in Insul die Brücke verschwunden sei. Unisono kam die ungläubige Reaktion, dass das nicht sein könne. Erst am nächsten Morgen konnte ich dann mithilfe eines Teleobjektivs von der Dümpelhardt aus sehen, dass das leider nur zu wahr war.

Das ist eines der
ersten Fotos, das ich am Morgen des 15.07.2021 von der Flut gemacht habe. Man
kann sehen, dass die Brücke in Insul völlig zerstört ist.
Ohne Strom war war die Welt eine andere. Wir hatten zwei Eisschränke voller Vorräte, teils aus dem eigenen Garten eingefrorenes Gemüse. Ohne Strom wäre alles eine Sache für die Tonne gewesen. Zum Glück hatte ich einen kleinen Zweitaktgenerator, der zwar nur 800 Watt lieferte, aber damit waren wir besser dran als viele andere Haushalte. Leider war das nicht zu Ende gedacht, denn zum Betrieb eines Generators braucht mal Benzin. Zweitaktöl hatte ich, Benzin nicht. Woher also nehmen? Die Tankstellen in Leimbach und in Hönningen waren nicht erreichbar, auch wenn wir das zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten. Die einzige Möglichkeit bestand in der Tankstelle in Esch an der Wasserscheide, aber auch die war nicht einfach zu erreichen und zudem entsprechend überlaufen. Von meiner Tochter hatten wir seit den immer panischer werdenden Meldungen über die steigende Erft nichts mehr gehört und wir waren ernsthaft in Sorge. Daher machte sich meine Frau auf den Weg nach Schönau, um nachzusehen, wie es dort um die Familie stand. Da der Weg, so er denn befahrbar war, an der Escher Tankstelle vorbeiführte, hatte sie sich mit Reservekanistern ausgerüstet und konnte tatsächlich von dort Benzin mitbringen. Denn zu unserer großen Erleichterung meldete sich meine Tochter, während meine Frau noch unterwegs war und konnte uns beruhigen. Außer dem vollgelaufenen Keller war niemandem etwas passiert.
Nachrichten gab es zunächst keine. Informationen kamen mehr durch Mund-zu-Mund langsam zu uns. Die einzige Informationsquelle war unser Autoradio und dort wurde immer von dem "besonders betroffenen Ort Schuld" berichtet. Gleiches galt auch für die übrigen Medien, was wir aber erst erfahren haben, als wir unseren kleinen Generator endlich am laufen hatten. Wie ich feststellen musste, war das kleine Gerät zu schwach, um zwei Gefrierschränke gleichzeitig zu versorgen. Nominell hätte die Leistung von 800 Watt zwar ausreichen sollen, aber da der Anlaufstrom viel höher als die Grundlast ist, flog dem Gerät immer wieder die Sicherung raus. Darum blieb mir nichts anderes übrig, als die beiden Gefrierschränke abwechselnd zu versorgen. Und erst als ich das herausgefunden und den richtigen Rhythmus im Wechsel der Stecker intus hatte, habe ich mich getraut, auch den Fernseher anzuschließen.
Am Morgen des 15.07.2021 nach meiner Hunderunde um die Dümpelhardt, bei der obiges Foto entstanden ist, musste ich nach Adenau zur Arbeit. Das war natürlich noch vor der Inbetriebnahme des Generators und während gleichzeitig meine Frau den Sprit beschaffte. Die Frage war, wie man von Sierscheid ohne die Insuler Brücke dorthin gelangen kann. Der einzige infrage kommende Weg führte über Schuld. Dabei stellte sich aber heraus, dass auch die Straße zwischen Schuld und Insul unpassierbar war, da dort einfach ein ganzes Stück fehlte und zudem auf einer langen Strecke eine ganze Fahrbahnseite weggeschwemmt worden war. Später, als das fehlende Stück aufgefüllt worden war, gab es eine einspurige, ampelgesteuerte Streckenführung. Der Versuch, die Straße zu reparieren, wurde dann bis heute aufgegeben, weil sich der Hang trotz großen Aufwandes nicht stabilisieren ließ. Aber an diesem 15.07., einem Donnerstag, wussten wir davon noch nichts. Und welche Schäden wo ein Durchkommen verhinderten und wo man noch fahren konnte, mussten wir durch Versuch und Irrtum lernen.
Schuld selbst war nicht mehr wiederzuerkennen und die an der Ahr entlangführende Hauptstraße eine Schlammpiste. Aber immerhin war dort ein mühsames Durchkommen, weil natürlich bereits die ersten Aufräumarbeiten begonnen hatten. Von dort aus konnte man hoch nach Winnerath und weiter nach Reifferscheid kommen, wo es keine Straßenschäden gab. Und von Reifferscheid war es auch kein Problem, bis nach Adenau zu gelangen. Das Problem trat nachmittags bei dem Versuch auf, wieder nach Sierscheid zu kommen. Denn aus irgendeinem Grund war zwischenzeitlich Schuld komplett gesperrt worden. Vermutlich musste einer der zahlreichen Flüssiggastanks geborgen werden, die in der Nacht zusammen mit Wohnmobilen und dem ganzen anderen Treibgut irgendwo angeschwemmt worden waren. Für meinen Kollegen und Nachbarn Alex und mich gab es jedenfalls kein Durchkommen. Daher haben wir versucht, wieder über Reifferscheid und dann Müsch und Antweiler nach Hause zu kommen. Wie es dort ausgesehen hat, wussten wir ja nicht. Denn auch dort war alles zerstört. Also sind wir notgedrungen Richtung Blankenheim weitergefahren, nie wissend, ob wir nicht einfach in eine Sackgasse geraten. Denn es gab zu diesem Zeitpunkt keinerlei Informationen und kaum Sperrungen. Man musste also immer auf der Hut sein vor plötzlich fehlenden Straßenstücken. Ehrlicherweise kann ich die genaue Route nicht mehr rekonstruieren, die wir letztendlich genommen haben. Immerhin weiß ich noch so viel: Sie führte bis nach Hillesheim und über Nohn und zum Schluss über Rupperath, obwohl die Zugangsstraße dahin gesperrt war. Aber nach über zwei Stunden Irrfahrt hat uns das nicht mehr aufhalten können.
Nachdem wir die Stromversorgung im Haus notdürftig wiederhergestellt hatten, das heißt Gefrierschränke und Fernseher versorgt waren, kamen langsam die Bilder aus dem Tal bei uns an. Im Nachgang muss ich sagen, dass, wie gesagt Schuld immer im Fokus stand, weil es für die Medien erreichbar war, von den übrigen Schauplätzen aber verhältnismäßig wenig berichtet wurde. Daher kamen die Nachrichten von der Erft und Bad Münstereifel eher spät und zuerst von meiner Tochter aus Schönau, aber von der ganzen Ahrstrecke bis zur Rheinmündung kam lange gar nichts. Später wurde von dem zu brechen drohenden Damm in Euskirchen-Kirchheim berichtet. Dort wohnen meine Eltern und dorthin zu kommen, erwies sich als unmöglich. Die Strecke über Bad Münstereifel war zerstört. Man kam noch bis zum Kreisel in Eicherscheid und konnte dort über einen engen Notbehelf über den Hang dran vorbeikommen, aber dann wars das. Dort war es noch möglich, vor Münstereifel Richtung Mechernich zu fahren, aber in Iversheim war die Bundestraße weg. Die andere Richtung war ebenfalls unmöglich, weil in Houverath noch eine Umleitung über Maulbach Richtung Rheinbach eingerichtet war, der Weg über Loch aber ebenfalls unmöglich war. Und wegen des drohenden Bruchs des Staudamms der Steinbachtalsperre war sowieso weiträumig Schweinheim und Flamersheim sowie alles dahinter liegende gesperrt.
Berichten möchte ich noch über eine Freundin aus dem Dorf, die in Ahrbrück ihren Sohn, ihre Schwiegertochter und drei Enkel verloren hat. Noch am Nachmittag des 14.07.2021 war sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten nach Ahrbrück aufgebrochen, um deren Keller auszuräumen. Deren Wohnhaus lag direkt unterhalb der Brücke Richtung Lind und vor der Kirche. Am 15. war das ganze Haus verschwunden. Sie hatte ihrer Familie da noch angeboten, hier in Sierscheid die Ereignisse abzuwarten, aber vor allem ihre Schwiegertochter wollte lieber in ihrer Wohnung bleiben. Soweit ich mich erinnere dauerte es ganze zwei Wochen, bis unsere Nachbarin definitive Nachrichten vom Tod der Familie bekam. Bis dahin hat vor allem meine Frau sie auffangen müssen. Anfangs bestand noch Hoffnung, denn auch das Mobilfunknetz war zusammengebrochen, weil die Notstromversorgung der Funkmasten nicht funktioniert hat. Immerhin konnten wir einige Punkte ausfindig machen, an denen wir mit einem Balken noch Empfang hatten. Das war auf der Dümpelhardt und dem Friedhof der Fall. Und so hatten wir Nachricht und Kontakt zu unseren Familien, die ansonsten nicht erreichbar waren. Und der Sohn der Nachbarin hätte ja ähnliche Probleme haben können oder schlicht kein Handy mehr gehabt haben. Aber Tag für Tag verging ohne Nachricht und so schwand auch die Hoffnung Stück für Stück.
Die Tage und Wochen nach der Flut möchte ich gar nicht beschreiben, obwohl hier in Sierscheid, so wie landesweit auch, eine beispiellose Hilfsaktion anlief und ein sagenhafter Zusammenhalt der Eifler sichtbar wurde. Hierfür kann man gar nicht dankbar genug sein. Sierscheid hatte hier eine strategische Schlüsselposition inne, alleine aus geografischen Gesichtspunkten. Ein Teil von Schuld war von der Außenwelt abgeschnitten und konnte nur über einen über Sierscheid führenden Waldweg erreicht werden. Gleiches galt für Liers, wo gleich beide Brücken weg waren und lediglich ein Waldweg blieb, der zudem ebenfalls beschädigt war. Dort mussten wie überall zunächst Bäume beiseite geräumt werden und zudem war ein ganzes Stück des Wegs einfach den Hang hinunter verschwunden. Aber findig, wie wir Sierscheider sind, wurde ganz schnell eine Ausweichstelle über die benachbarte Wiese eingerichtet. Und schon am 15. konnte Liers mit dem Allernötigsten versorgt werden.

Vom Waldweg nach Liers blieb an einer
Stelle kurz vor dem Waldrand nur dieses schmale Stück übrig.

Beispielhaft diese Stelle bei uns im
Sierscheider Forst. So sah es an sehr vielen Stellen aus. Oft waren Hänge
abgerutscht und der Schlamm blockierte die unten liegenden Wege. Oder diese
waren ebenfalls ganz weg.
Apropos Versorgung: Sehr schnell trudelten die ersten Sachspenden von Privatpersonen hier ein und noch bevor eine zentrale Sammel- und Verteilstelle am Nürburgring eingerichtet wurde, konnten diese im Sierscheider Gemeindehaus angeboten werden. Unter anderem gab es auch Wasser in Flaschen und Tetrapacks, denn auch die Wasserversorgung war hier lange unterbrochen.

Alles war improvisiert.

Verteil- und Versorgungsstation im
Sierscheider Gemeindehaus.








Anhand dieser Bilder kann man gut
erkennen, dass hier keine Großspenden lagern, sondern zum großen Teil kleine und
kleinste Privatspenden stehen. Hinzu kam das Sortiment eines Discounters, der
auch Opfer der Flut geworden war.
Wahrscheinlich habe ich die Hälfte der Ereignisse dann doch vergessen zu erwähnen, denn zu viel ist in zu kurzer Zeit passiert. Aber die paar Zeilen sollten ausreichen, um zu verstehen, was da auf die Bewohner dies Ahrtals eingestürzt ist. Die nachfolgenden Bilder sind zahlreich und daher kaum geeignet, sie in Gänze nacheinander zu betrachten. Aber sie ergeben in der hier gezeigten Reihenfolge mehrere Rundgänge, so dass Ortskundige das finden sollten, was sie interessiert. Für Ortsfremde können und sollen sie einen Eindruck von den Zerstörungen und von den Wiederaufbaubemühungen vermitteln.
10/2026 Gregor Jonas
Starten möchte ich die Dokumentation mit wenigen Bildern und Videos der Flut selbst, um die Gewalt der Wassermassen zu zeigen. Diese ersten Bilder stammen nicht von mir, aber leider kann ich die Urheber nicht benennen. In den ersten Stunden und Tagen herrschte Chaos und Fotos gingen massenhaft durch die Netze und Medien.

Die historische Domhof-Brücke in Schuld
am Nachmittag des 14. Juli 2021. Das Bauwerk verbindet den am Kirchenhügel
gelegenen Ortsteil Domhof mit dem gegenüberliegenden Ortsteil Überahr. Zu
diesem Zeitpunkt drücken die braunen Wassermassen bereits dicht unter den
Hauptbogen – kurz bevor die Brücke vollständig überspült wurde.




Die vollkommen überspülte
Domhof-Brücke in Schuld.



Langsam gehen die Wassermassen
wieder zurück und zeigen die Zerstörungen.


Was ist in der Flutnacht passiert? Ein Protokoll (SWR Aktuell)
Einfahrt der ersten Bergepanzer, pressewirksam inszeniert am
18.07.2021. Diese Aufnahme stammt von mir. Ich wollte über Winnerath und
Reifferscheid nach Adenau, Aber die Straße wurde für die Bergepanzer
eigens gesperrt, obwohl das nach meinem Empfinden nicht notwendig war und
nur der Medienwirksamkeit halber gemacht wurde. Deshalb musste ich warten
und hatte daher Gelegenheit für dieses Video.
29.07.2021

Blick zur Pfarrkirche St. Gertrud in
Schuld. Während die höher gelegene Kirche verschont blieb, zeugen die
schlammbedeckte Straße, beschädigte Zäune und Behelfsinfrastruktur im
Vordergrund von den Auswirkungen der Flutnacht.

Spuren der Flut an einem Wohngebäude:
Verschlammte Fensterscheiben zeigen den Höchststand des Wassers. Vor dem
Eingang gestapelte Holztüren markieren den Beginn der Entkernungsarbeiten.

Schutthalden im historischen Dorfkern:
Zwischen den eng stehenden Fachwerkhäusern sammelt sich der Schutt der
zerstörten Existenzen. Die Räumung erfordert in den ersten Tagen enormen
manuellen Einsatz.

Sicherung der Infrastruktur: Ein
provisorischer Fußgängersteg aus Gerüstelementen wird über die schwer
beschädigte historische Steinbrücke errichtet, um die beiden Dorfteile
wieder miteinander zu verbinden.


Trümmer am Flussufer: Das deformierte
Wrack eines Anhängers dokumentiert die Wucht, mit der das Hochwasser
Gegenstände mitgerissen hat. Die Ahr fließt hier an einer komplett
abgetragenen Steilwand vorbei.


Massiver Uferabbruch an der
Ahrschleife: Wo zuvor Gärten und Zuwegungen lagen, klafft nach dem
Hochwasser ein steiler Abgrund. Freihängende Leitungen zeigen das Ausmaß
der Bodenerosion direkt am Wohnhaus.

Überall liegen noch die Trümmer von
Fahrzeugen, Holz und anderem Treibgut.

Zerstörte Infrastruktur und
Geröllberge: Die Flut hinterlässt eine Spur der Verwüstung vor den
Wohnhäusern.

Die Schulder Mühle nach der
Katastrophe: Während das historische Mühlengebäude den Wassermassen
standhielt, wurden die angrenzenden Fischteiche (rechts) und das gesamte
Umfeld durch Schlamm- und Geröllmassen vollständig verwüstet.


Auch wenn es nicht zu sehen ist: Das
waren Fischteiche.

Die Mühle als Panorama. Alle Panoramen können durch Anklicken vergrößert
dargestellt werden.

Notsteg über die Ahr: Ein massives
Baugerüst wurde über die beschädigte historische Domhof-Brücke errichtet.
Diese Behelfskonstruktion stellte in den Tagen nach der Flut die erste
sichere Fußgängerverbindung zwischen den Ortsteilen Domhof und Überahr
wieder her.

Die ehemaligen Fischteiche, die direkt
neben der Mühle an der Ahr gelegen haben.
Wo vor der Flutnacht die alten Fischteiche lagen, erstreckt sich nun eine öde, weite Fläche aus dicken Geröllmassen, Schlamm und tiefen Furchen. Nur noch vereinzelte, nackte Betonfundamente und Reste der Begrenzungsmauern ragen aus den Erdmassen hervor. Dazwischen liegen entwurzelte Äste, Plastiktrümmer und angeschwemmter Unrat verteilt.

Das eingeebnete Gelände an der Mühle:
Blick über das völlig verwüstete Areal der ehemaligen Fischteiche.
Meterhohe Ablagerungen aus Steinen, Schlamm und Treibgut haben die Becken
komplett begraben und unkenntlich gemacht.

Die zerstörte Mechanik der Mühle: Die
Schlammlinie knapp über dem Erdgeschoss zeigt den Höchststand des Wassers
(auf dem übernächsten Bild besser zu erkennen). Die Wucht der Flut begrub
das historische Mühlrad unter einer Wand aus entwurzelten Bäumen und
schwerem Geäst, das aus dem Gartenbereich im Vordergrund angeschwemmt
wurde. Man erkennt noch einen Baum, dessen Stamm standgehalten hat.


Die Schulder Mühle im Profil: Aus
dieser Perspektive wird die deutliche Wasser- und Schlammlinie an der
Fassade sichtbar, die fast bis zu den oberen Fenstern reichte. Rechts ist
das unter Treibgut begrabene, unterschlächtige Mühlrad zu sehen, während
sich links das völlig verwüstete Ufergelände erstreckt.

Die Fischteiche aus einer anderen
Perspektive.
Dieses Foto dokumentiert eindringlich den Einsatz der Bundeswehr bei den ersten massiven Räum- und Sicherungsarbeiten im völlig verwüsteten Flussbett der Ahrschleife. Mehrere Soldaten in Flecktarn-Uniform sind im Vordergrund dabei, Geröll und Trümmer händisch oder mit einfachen Werkzeugen zu beseitigen. Im Hintergrund bahnen sich schwere, olivgrüne Militär-Lastkraftwagen ihren Weg durch das unwegsame, von tiefen Reifenspuren durchzogene Schlamm- und Schuttgelände.

Logistische Herausforderung im
Katastrophengebiet: Einsatzkräfte der Bundeswehr sichern den Uferbereich
und beseitigen Trümmerberge. Die tiefen Fahrspuren im Schlamm
dokumentieren den mühsamen Vortrieb der schweren Transport-Lkw in den
Wochen nach der Flut.

Zerstörte Infrastruktur und blockierte
Arbeitsgeräte: Ein von den Schlamm- und Geröllmassen umschlossener
Minibagger zeugt von der Wucht der Flut. Ein entwurzelter Holzmast im
Vordergrund dokumentiert den vollständigen Zusammenbruch der lokalen
Versorgungsleitungen.

Der zerstörte Uferbereich in der
Totalen mit der Pfarrkirche im Hintergrund.

Schwere Räumgeräte im Einsatz an den
ehemaligen Fischteichen: Ein Rückezug transportiert verkeilte Baumstämme
ab. Die freigelegten Mauerreste und Fundamente der Teichanlagen im
Vordergrund zeugen von der brutalen Abtragung des Erdreichs durch die
Flutwelle.

Auch wenn in Schuld nackte Felswände schon immer zum Orts- und Uferbild gehört haben, sind die neuen Freispülungen doch beeindruckend und beängstigend zugleich.

Erosion und Trümmerreste an der
Steilwand: Blick auf die schroffe Felsformation direkt an der Ahr. Im
unteren Bereich zeigen die weggespülte Ufervegetation und hängengebliebene
Unratmassen, wie hoch das Wasser in diesem engen Talabschnitt stand.

Die Ahrschleife im Gesamtüberblick: Diese Panoramaaufnahme dokumentiert
das Ausmaß der Uferabtragungen unterhalb der steilen Felshänge. Die
großflächigen Schlamm- und Geröllmassen auf der linken Seite wurden für
die ersten Rettungswege bereits grob planiert.

Spuren der Zerstörung an beweglichen
Gütern: Das Wrack eines umgestürzten Anhängers liegt inmitten der neu
entstandenen Geröllwüste an der Ahrschleife. Angeschwemmte Planen und
dicht verkeiltes Geäst zeugen von den extremen Kräften der Flutnacht

Gemeinsamer Blick auf die Zerstörung:
Während im Vordergrund die nackten Fundamente der ehemaligen Fischteiche
aus dem Schlamm ragen, dokumentiert die Aufnahme im Hintergrund ein Stück
Zeitgeschichte: Ortsbürgermeister Helmut Lussi und Helmut Reuter im
Gespräch inmitten der Aufräumarbeiten am Mühlenareal.

Freigelegte Versorgungsleitungen am
Uferrand: Neben den frisch gekappten Baumstümpfen dokumentiert der
freigespülte Abwasserkanal im Vordergrund die enorme Tiefenerosion der
Wassermassen. Dahinter befreien Einsatzkräfte der Bundeswehr die Böschung
von Treibgut, während links Militär-Lkw Material abtransportieren.

Trümmerfelder im Wohn- und
Mühlenbereich: Meterhohe Ablagerungen aus Treibholz, Schlamm und Schutt
blockieren die Hofflächen. Das historische Natursteingebäude rechts weist
massive strukturelle Schäden und abgerissene Gebäudeteile auf.

Dieses Foto dokumentiert die drastischen Ausmaße des Uferabbruchs und der Hangerosion an der Ahrschleife aus nächster Nähe. Das Hochwasser hat jegliche Humusschicht, die Bepflanzung und die Uferbefestigung vollständig weggespült. Zurück bleibt eine blankgelegte, schräge Schieferfelswand, über der die Fundamente und Abbruchkanten der oben liegenden Wohnhäuser bedrohlich nah am Abgrund aufragen. Rechts im Bild sind angeschwemmte Trümmerberge sowie die eingerüstete Fachwerkhaus zu sehen.

Extreme Hangabtragung im Ortskern: Die
Flutwelle hat das komplette Erdreich vor den Häusern weggerissen und die
nackte Schieferfelswand freigelegt. Die Abbruchkante reicht bis dicht an
die Fundamente der Gebäude heran, während rechts die Trümmerberge an der
eingerüsteten Domhof-Brücke sichtbar sind

Die veränderte Flusslandschaft in
Schuld: Das Hochwasser hat das Ufergelände beidseitig stark erodiert.
Während links die freigelegten Fundamente der Wohnhäuser sichtbar sind,
zeugt die abgebrochene Pflasterfläche rechts vom massiven Verlust an
befestigter Infrastruktur.

Freigelegte historische Bausubstanz:
Die Wassermassen haben den Lehmputz dieses Fachwerkhauses komplett
herausgespült. Sichtbar bleibt die traditionelle Unterkonstruktion aus
Flechtwerk (Weidengeflecht) in den Gefachen, während das tragende
Holzskelett der Flut standhielt.

Freigespülter Kanalschacht.

Sicherung der Bausubstanz im Ortskern:
Blick auf die freigelegte Tragstruktur eines schwer getroffenen Hauses.
Das zerstörte Erdgeschoss musste mit einer massiven Holzkontruktion
provisorisch abgefangen werden, um den Einsturz des Obergeschosses zu
verhindern.

Dokumentation der großflächigen
Ufererosion im Ortskern von Schuld. Die reißenden Wassermassen haben die
Freiflächen vor den Wohngebäuden vollständig abgetragen und
Versorgungsleitungen freigelegt. Die Fundamente der Häuserzeile liegen
gefährlich nahe an der neuen Abbruchkante zum Flussbett.

Die Domhof-Brücke von der anderen
Seite.

Gesamtüberblick über den veränderten Flusslauf im Ortskern. Die Aufnahme
zeigt die enorme Breite, die die Flutwelle in dieser engen Kehre
eingenommen hatte. Das abgetragene Erdreich vor der linken Häuserzeile und
die komplett freigespülten Steilhänge rechts dokumentieren die
landschaftsprägenden Folgen der Katastrophe.


Die schwer beschädigte Häuserzeile im Bereich der Schreinerei Weiler
unterhalb der Eisenbahnbrücke. Das Hochwasser hat sämtliche Außenanlagen,
Zäune und Wege vor den Gebäuden vollständig abgetragen und eine weite
Fläche aus Geröll und Schlamm hinterlassen.

Blick auf den zerstörten Uferbereich
direkt vor der alten Eisenbahnbrücke. Die reißende Strömung hat das
Gelände tief aufgerissen, Asphaltflächen zerstört und Versorgungsrohre
freigelegt, während im Hintergrund erste Sicherungsmaßnahmen anlaufen.

Zerstörte Uferbefestigung und
Straßeneinbrüche im historischen Ortskern. Das Hochwasser hat das
Fundament am Flussufer komplett weggerissen und einen tiefen Krater in den
Asphalt gespült. Die Trümmer- und Müllberge im Hintergrund zeugen vom
Beginn der ersten Ausräumarbeiten in den Wohngebäuden.

Blick durch den stehen gebliebenen
Bogen der Domhof-Brücke.


Totale Verwüstung auf einem
Privatgrundstück im Ortskern. Zwischen meterhoch aufgetürmtem Bauschutt,
Holzsplittern und Metallteilen liegt ein schwer beschädigtes und von
Betonplatten eingeklemmtes landwirtschaftliches Fahrzeug vor dem
Fachwerkhaus.

Der provisorische Fußweg über die
zerstörte Brücke.