Berner Sennenhund Camillo vom Bernerwald


Meine Erlebnisse


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Besuch bei meinen Eltern und Ringtraining für meine erste Ausstellung


Langsam bekomme ich hier dicke Pfoten vom Schreiben. Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, erst mal ein paar Tage Pause zu machen. Aber das wollte jetzt einfach wieder raus. Da ist man machtlos.

Was treibt mich schon wieder an die Tasten? Frauchen und Herrchen waren mit mir zu Mama und Papa und natürlich zu Cassie und dem ganzen Rudel gefahren. Anfangs kamen wir da rein und die blöde überdimensionierte Dinosaurierlockenkuh von Yascha brummt mich armen kleinen Welpen an. So weit wäre mir das ja egal gewesen. Ich wollte sowieso lieber zu Mama und mit Cassie spielen. Was hab ich auch mit dem Rudelmutterschiff zu schaffen? Blöderweise stand mein depperter Papa genau daneben, als Yascha gebrummt hat. Und der hatte nix besseres zu tun, als sein Gehirn auszuschalten und mir die Ohren lang zu ziehen. Und mit lang ziehen meine ich so richtig lang. Ich hab sogar den Bodenkontakt verloren, als Jörn versucht hat, den Tristan von mir wegzuziehen. Erkennt der seinen eigenen Sohn nicht mehr? Ich kann nur hoffen, das ich nicht mal genau so werde wie er. Peinlich ist das. Da brummt die Alte und der Herr spurt, ohne zu denken. Wo kommen wir denn da hin? Ich will die Emanzipation für uns Rüden!

Und Herrchen? Statt diese Misshandlung zu dokumentieren, stand er nur dumm rum. Echt, da braucht man den Kerl mal und dann ist man verloren. Sonst hat er seine Kamera am Auge festgetackert, aber wenn es wirklich mal was zu sehen gibt, kannst du ihn vergessen!


Auch wenn das Ohr noch dran geblieben ist, war die Aktion doch ziemlich schmerzhaft und gequietscht hab ich auch. Aber ich glaube, das darf man auch. Ich  bin doch kein Indianer. Allerdings habe ich danach erst mal Rute und Ohren eingezogen oder besser gesagt alles, wo man reinbeißen kann. Weiß ich, was die alles noch mit mir anstellen? Tristan und Yascha mussten dann zur Strafe rein und konnten den ganzen anderen Besuch, der dann noch kam, nicht begrüßen. Geschieht ihnen ganz recht!


Cassie hat mich zwar auch nicht getröstet, wollte aber wenigstens mit mir spielen, ohne mir gleich irgendein Körperteil zu amputieren. Und da die beiden Raufbolde ja nun weg waren, habe ich mich schnell wieder beruhigt!


Herrchen hat auch gleich ausprobiert, ob meine Beine noch funktionieren.


Währenddessen haben die Großen ihre eigenen Spiele gespielt.


Cassie hat mit Alba rumgeturnt, aber Alba will ja auch nicht erwachsen werden.


Da wollte ich natürlich mitmachen,


und bin hinterher gesprintet.


Wie ihr sehen könnt, sind beide Ohren noch dran.


Spätestens da hatte ich mich ganz gut von meinem Schreck erholt. Wenigstens Cassie hat mich nicht vergessen und hat vernünftig mit mir gespielt.


Mit ihr durch den großen Garten zu toben war schon toll.


Und für ein Mädchen ist sie erstaunlich schnell! Da muss man sich echt beeilen, um nicht unter die Räder zu kommen.


Ist das anstrengend. Da hängt einem glatt die Zunge aus dem Hals.


Mama Meggan hat sich das Ganze in Ruhe angeschaut. Sie hat mir bei der aufgeblasenen Lockenkuh zwar auch nicht geholfen, war aber wenigstens sonst sehr lieb zu mir.


Sie hat sogar mit Cassie und mir gespielt. Ich durfte unten liegen ;-)


Eine platte Nase muss man dabei wohl in Kauf nehmen. Aber die ist zum Glück ja elastisch und schwingt in die Ausgangsform zurück, wenn der Druck nachlässt.


Und dann kam Maddox. Der hatte ne Frisur wie frisch vom Frisör. Den ganzen Kopf voller karottenroter Strähnchen. Wie kann man als Rüde so eitel sein? Und der musste mich gleich mal über den halben Platz scheuchen.


Aber da ich ohnehin gerade gut in Fahrt war, machten die paar Meter zusätzlich auch nix mehr aus.


Herrchen jedenfalls hatte seinen Spaß und ich auch.


So, damit war die Toberei erst mal zu Ende und wir kamen zum eigentlichen Zweck unseres Besuchs: Wir wollten üben, wie man sich bei einer Ausstellung richtig präsentiert. Schließlich werde ich im September meine erste Ausstellung besuchen. Dabei will ich mich ja nicht blamieren.


Dann kam das eigentliche Ringtraining, worauf ich ziemlich gespannt war. Erst mal sind alle Teilnehmer in den Ring reinmarschiert.


Drinnen haben sich die Zweibeiner alle aufgestellt und wir haben uns die Gegend angeschaut.


Die Frauchens sollten eigentlich ruhig da stehen, damit sie der Richter begutachten und begrüßen kann. Wir haben derweil die Leinen festgehalten.


Dann kam der Richter zu Ute und hat sie abgetastet. Natürlich meine ich Brianna. Was denkt ihr denn?


Dann war mein Frauchen dran. Ich war schon ganz gespannt, wie sie abschneidet.


Anstatt sich die Ohren zu schlecken und den Hintern zu beschnüffeln, geben Zweibeiner sich zur Begrüßung die Pfoten. Komische Sitten. Bislang hat das von mir noch keiner verlangt. Und ehrlich gesagt bin ich auch nicht so scharf auf diesen Unsinn.


Mich beachtet dabei keiner. Als ob ich Luft wäre *grummel*!


Alle anderen langweilten sich.


Und dann schaute der Richter, der wo mein erstes Herrchen war, sich meine Zähne an. Was das nun wieder sollte? Hat der im Ernst damit gerechnet, ich könnte in meinem zarten Alter schon Karies haben? Wo ich doch zu Hause gar nix Süßes kriege. Selbst Kirschen muss ich mir vom Boden suchen.


Jetzt ist aber gut! Wo tatscht ihr mir denn jetzt noch überall hin? Ich bin doch kein Plüschtier.


Wenigstens bekam ich für diese entwürdigende Verletzung meiner Privatsphäre ein Leckerchen. Aber kein süßes.


Dann hab ich mich hingelegt und konnte sehen, dass ich wenigstens nicht das einzige Opfer war.


Alwin kam genau so unter die Finger wie ich. Dabei ist er schon so groß und stark und nur ein Jahr älter als ich.


Ob man denn in seinem Alter schon Löcher in den Zähnen hat?


Und dann kam der absolute Höhepunkt: Wir durften unsere Frauchen zum Laufen auffordern! Das hat die Welt noch nicht gesehen. Zwei Beine in Bewegung. Wenn ich meine vier Beine so koordinieren würde wie die ihre beiden, dann würde ich mit meiner Nase nur Furchen  in den Rasen ziehen!


Hier sieht Ute ja noch ganz elegant aus.


Aber mein Frauchen? Ich musste immer schauen, das sie nicht umfällt.


Ich musste mich so konzentrieren. Und dann dabei noch vier eigene Beine sortieren.


Nach ein paar Runden wurde es etwas besser.


Und zum Schluss sogar ganz akzeptabel.


Aber da hatte ich mich zu früh gefreut. Kein Rhythmusgefühl. Und kein Sinn für gleichmäßiges Tempo. Ich trabte locker und gleichmäßig vor mich hin und dann zog Frauchen einfach an mir vorbei. Wie sieht das denn aus? Ich musste die Leine straffen, um sie zu bremsen. Versuch das mal einer, ohne dabei aus dem Trab zu kommen.


Ich habe getan, was ich konnte, um wieder in den Tritt zu kommen, ohne dass das völlig verkorkst wirkt.


Aber bei einem Grobmotoriker wie Frauchen ist das schon nicht so einfach.


Wenigstens haben die anderen sich auch nicht schlechter blamiert.


Jeanettes Kurvenlage ist ja ganz ansprechend, war hier aber doch gar nicht erforderlich.


Aber vielleicht läuft die immer so?


Nee, scheint auch anders zu gehen. Aber ob das jetzt besser ist? Dafür stand Jörn schräg. Muss wohl doch mit Jeannette zusammenhängen.


Alwin und sein Frauchen passten gut zusammen.


Das Kurvenverhalten der beiden wirkte schon viel ruhiger.


Jetzt weiß ich auch, warum es Lauf"Schritt" heißt. Das muss so ein Zwischending zwischen laufen und gehen sein.


Warum es dann aber eine Einlage mit irischem Stepptanz gab, bleibt mir schleierhaft.


Nachmittags halb vier und die Frisur sitzt ...


... stellenweise zumindest.


Es schien aber Spaß zu machen.


Herrchen durfte ich dann auch noch durch den Ring scheuchen.


Der hat so getan, als ob er Leckerchen hätte. Dabei hat er mich aber verarscht.


Wenigstens kann er laufen!


Wir haben uns dann noch etwas vom Körtraining angeschaut, aber Frauchen wollte dann auch nach Hause. Ich nehme mal an, das ihr das laufen gar nicht gut getan hat. Wenn man so was auch nicht gewohnt ist, muss man langsam anfangen!

So, genug geschwafelt für heute. Meine Pfoten qualmen und ich will langsam mal wieder raus.

Bis bald,

Euer Camillo


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© 2009  Gregor Jonas
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