Die nachfolgende Geschichte ist leider wahr und genau so passiert. Sollten Zweifel aufkommen, könnte ich alles belegen. Denn an einem spart die Allianz nicht: An Schriftstücken. An allem anderen offenbar schon. Vor allem an Sorgfalt und Vernunft. Aber der Reihe nach.
Zum Verständnis der nachfolgend geschilderten Geschehnisse muss man wissen, dass bestehende Immobilienversicherungen nach dem Versicherungsvertragsgesetz auf den Erwerber eines Grundstücks übergehen. Der Käufer hat dann ein Kündigungsrecht bis 4 Wochen nach Grundbuchumschreibung, wenn ihm die Versicherung nicht zusagt. Damit will der Gesetzgeber verhindern, dass in der ja länger dauernden Übergangszeit eine Versicherungslücke entsteht.
Es begab sich, dass wir uns ein Haus kaufen wollten. Im Rahmen der Vorverhandlungen bat ich unter anderem um Informationen über die bestehende Wohngebäudeversicherung und erhielt die Kopie einer Beitragsrechnung für eine Police, ausgestellt durch die Allianz Versicherungs-Aktiengesellschaft (nachfolgend Allianz genannt). Darauf waren die Kontaktdaten einer Generalvertretung in B. angegeben. Also habe ich dort angerufen und freundlich um eine Kopie des Versicherungsscheins gebeten. Schließlich wollte ich a) mehr zu den Nebenkosten wissen und b) natürlich auf möglichst simple Weise zu den Angaben kommen, die mir einen Vergleich mit den Konditionen anderer Gesellschaften ermöglichen würden. Denn der Vergleich war nicht ganz einfach, steht doch auf dem Grundstück noch eine alte Scheune aus dem Jahre ca. 1900, deren Wert mir völlig unklar war. Dass die Versicherung eigentlich aus datenschutzrechtlichen Gründen solche Informationen gar nicht herausgeben dürfte, zumindest nicht ohne entsprechende Nachweise eines Informationsanspruchs meinerseits, war mir völlig klar. Immerhin bin ich bei meinem Arbeitgeber mal Datenschutzbeauftragter gewesen. Aus Erfahrung weiß ich aber auch, dass sich die meisten Leute über die bestehenden Vorschriften gar nicht im Klaren sind und sich zu fast allem überreden lassen, wenn man denn nur überzeugend genug auftritt. Daher war ich zunächst nicht wirklich erstaunt, am anderen Ende der Leitung eine sehr freundliche und hilfsbereite Mitarbeiterin der Allianzvertretung vorzufinden, die gerne bereit war, mir die gewünschten Unterlagen zuzusenden. Also schnell noch meine Adresse durchgegeben und schon war ich am Ziel.
Als dann zwei Tage später ein Brief der Allianz ankam, staunte ich nicht schlecht. Denn ich fand keine Kopie des Versicherungsscheins vor, sondern ein auf meinen Namen und Adresse lautendes Original (Versicherungsschein Nr. PIM ... (PrivatImmobilienbesitzerMelkvorrichtung?))! Gut, mein Nachname war etwas sparsam geschrieben, denn es fehlte ein Buchstabe. Aber unser Postbote hatte die Zustellung ja auch so geschafft. Dafür mit nettem Willkommen-Anschreiben, Merkblatt zur Datenerhebung und einem Hinweis auf mein gesetzlich verankertes Sonderkündigungsrecht innerhalb von vier Wochen nach dem Eigentumsübergang. Außerdem machte mich der Eingangssatz "Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neu erworbenen Gebäude" stutzig. Schließlich hatte ich noch gar nichts erworben. Oha, dachte ich und rief die Generalvertretung an. Dort erhielt ich die lapidare Aussage, dass das immer so gemacht werde. Nun gut, dachte ich mir wieder. Dann lass sie mal machen. Leider ergab sich aus dem Versicherungsschein kein Hinweis auf die Scheune. Dafür bekam ich 6 Tage später erneut Post von der Allianz. Inhalt: Ein weiterer Versicherungsschein mit einer völlig andern Nummer ( GSV ...) und ein Anschreiben mit einem viel versprechenden Beginn: "Sehr geehrter Herr Joas (das "N" fehlte auch hier), wir wurden informiert, dass Sie nun Eigentümer des bei uns versicherten Gebäudes sind. min = '0' max = '1' ". Erst war ich etwas ratlos, was das denn nun war. Aber nach längerem Studium stellte ich fest, das es sich um die dann wohl separat als Nachtrag zur Hausversicherung ausgestellte Police für die vermisste Scheune handeln musste. Was ich mit "min = '0' max = '1' " anfangen sollte, durfte ich mir wohl aussuchen. Nun denn, immerhin war die Scheune, die in einem nicht mal 100 Seelen-Dorf in der tiefsten Eifel steht, gegen Schäden durch Terrorakte versichert. So was hat auch nicht jeder. Allerdings gingen mir die Zusammenhänge zwischen den beiden Policen erst spät auf, denn die Allianz tut viel dafür, ihre Unterlagen unverständlich zu verfassen. Richtigerweise wurde ich hier im Gegensatz zum ersten Schreiben darauf hingewiesen, dass die Rechte und Pflichten aus diesem Vertrag erst nach dem Eintrag in das Grundbuch wirksam werden. Dieser Hinweis spielt später noch eine amüsante Rolle.
Egal, dachte ich mir. Da ich ohnehin bei den exorbitanten Beiträgen nicht beabsichtigte, bei der Allianz zu bleiben, konnte mir das ganze Gewurschtel ziemlich egal sein. So heftete ich die in kurzen Abständen eintrudelnden Nachträge, Beitragsanpassungen usw. zu meinen Unterlagen und kümmerte mich um Wichtigeres. Inzwischen war der Kaufvertrag unterschrieben und wir waren de facto Eigentümer, wenn natürlich auch noch nicht dem Grundbuch nach. Denn so ein Hauskauf dauert... Dann passierte etwas Neues: Gut 6 Wochen, nachdem ich den ersten Versicherungsschein erhalten hatte, bekam ich das erste Mal Post an die Adresse des neuen Hauses. Und siehe da, sogar mit meinem richtig geschriebenen Namen. Ich wunderte mich ein wenig über die Adressänderung und heftete den Kram brav ab. Dass mir nicht klar wurde, warum ich jetzt einen Nachtrag zu "meiner" Wohngebäudeversicherung erhielt, braucht eigentlich nicht extra erwähnt zu werden. Soweit ich verglichen habe, steht genau das Gleiche drin wie in der ursprünglichen Police. Wahrscheinlich ist sie nur wieder teurer geworden.
Inzwischen hatte ich mir eine andere, preisgünstigere und vor allem transparentere Versicherungsgesellschaft gesucht, die in der Lage war, Haus und Scheune in einer Police zu versichern. Auch waren inzwischen alle Voraussetzungen für die Eintragung in das Grundbuch erfüllt und daher habe ich mich entschlossen, die Allianz-Policen zu kündigen. Der Kündigungszeitpunkt orientierte sich am (leider nicht offensichtlichen) Ablauf der bezahlten Prämien. Schließlich wollte ich nicht die teuren Beiträge der Allianz bezahlen. Rein rechtlich gesehen wäre ich zur Kündigung noch nicht berechtigt gewesen, da das Sonderkündigungsrecht erst mit der Eintragung in das Grundbuch entsteht. Aber wie bei meinem ersten Anruf auch bin ich davon ausgegangen, dass der Kündigungsgrund gar nicht erst geprüft werden würde. Die Kündigung ging dazu noch drei Wochen in die Zukunft, denn bis dahin hatte der Vorbesitzer die Prämien bezahlt und bis dahin könnte das mit der Grundbucheintragung mit ein wenig Optimismus ja klappen.
Wenn ich nicht auch ein wenig Spaß an solchen Auseinandersetzungen und ein wenig Rechtskenntnis besitzen würde, hätte ich mir vielleicht einen Fachanwalt zur Hilfe nehmen können, denn was dann folgte, war schon krass. Wenn ich einmal mit dem Kopfschütteln angefangen hätte, wäre ich wohl nicht mehr in der Lage gewesen, jemals wieder damit aufzuhören und würde heute noch mit einer Halskrause herumlaufen. Bereits eine Woche nach der Kündigung erhielt ich Post an meine alte Anschrift (und falsch geschriebenem Namen) mit dem Inhalt, dass meine Kündigung für den Versicherungsschein Nr. GSV ... bedauerlich, im übrigen aber unwirksam sei. Denn eine Kündigung sei nur innerhalb von vier Wochen nach Eigentumsübergang möglich und dafür sei es nun einmal zu spät. Zur Erinnerung: Ich hatte nicht zu spät, sondern zu früh gekündigt. Also schon eine reife Leistung, dann zu diesem Schluss zu kommen!
Jetzt, dachte ich mir, war es an der Zeit, dann doch noch einmal Kontakt mit "meiner" Generalvertretung aufzunehmen. Am Telefon hatte ich dann auch wieder die mir schon bekannte nette Mitarbeiterin, die mir diesen Schlamassel erst eingebrockt hatte. Erstaunt wurde ich darüber informiert, dass sie damit gar nichts zu tun hätte, da das von der Zentrale in Berlin bearbeitet würde und ich mich bitte vertrauensvoll dorthin wenden möge. Selbiges tat ich dann auch, wenn es mit dem vertrauensvoll auch nicht sehr weit her war. Ich schilderte dann einer Sachbearbeiterin meinen Fall. Nach kurzem Studium der Unterlagen wurde mir dann bestätigt, dass die unberechtigte Policenüberschreibung genau das war, nämlich unberechtigt. Sicherheitshalber solle ich doch eine Kopie der Grundbucheintragung mit einer erneuten Kündigung einreichen, da die jetzige Kündigung ja ebenfalls unberechtigt, weil zu früh gewesen sei. Na gut, dachte ich mir, gezockt und verloren, wenn auch durch einen ziemlich dämlichen Fehler der Allianz. Aber die Wege des Herrn sind verworren.
Zwei weitere Tage später fand ich dann an der neuen Adresse wiederum Post von der Allianz. Diesmal war der Inhalt, dass die Kündigung für den Versicherungsschein Nr. PIM ... bedauerlich, aber wirksam sei. Netterweise wies man mich noch auf die Risiken hin, die man eingeht, wenn man ein Haus unversichert lässt. Als ob ich keine Anschlussversicherung abgeschlossen hätte. Aber das konnte die Allianz ja nicht wissen.
Nun stand ich also staunender Weise in unserem neuen Haus inmitten des Renovierungs- und Umbauchaos und hatte meine brav abgehefteten Allianzunterlagen nicht zur Hand. Dem zufolge war ich noch ratloser als ich ohnehin schon mit den vollständigen Unterlagen gewesen wäre. Im alten Zuhause angekommen, schaute ich mir die beiden Schreiben der Allianz noch einmal genauer an. Dabei stellte ich fest, dass die Police für die Scheune angeblich nicht rechtzeitig gekündigt worden sein soll, die Wohngebäudeversicherung war aber wirksam gekündigt. Dabei ist die Scheunenpolice als Nachtrag zur Wohngebäudepolice deklariert. Jetzt stand ich da mit einem Versicherungsnachtrag ohne Hauptpolice. Schon seltsam, was die Allianz da produzierte. Um noch mal auf die Anfänge zurückzukommen: Die Police, deren Kündigung nun anerkannt worden war, wurde im Glauben ausgestellt, wir seien bereits Eigentümer. Nach dieser, wenn auch falschen Annahme, wäre die Kündigung eigentlich zu spät gekommen. Und die Police für die Scheune, die mir mit dem Hinweis, dass sie erst mit dem Eigentumsübergang für mich wirksam werde, übersandt worden war, hatte ich angeblich zu spät gekündigt. Schon eine seltsame Logik.
Als ich gestern an unserem neuen Haus in den Briefkasten geschaut habe, war mal wieder Post von der Allianz drin. So langsam glaube ich, da arbeitet (wenn überhaupt) jeder Sachbearbeiter in einem schalldichten Käfig, völlig von der Außenwelt und anderen Allianz-Mitarbeitern abgeschirmt.
Mit Datum 14.07.2010 hatte die Allianz ja den Hauptvertrag als gekündigt bestätigt. Am 24.07.2010 fand ich wiederum Post von der Allianz vor. Man wird es nicht glauben, aber darin befand sich eine Beitragsrechnung für eben die gekündigte Versicherung PIM ... Netter Weise setzt die Rechnung genau zum 01.08. an, genau dem Datum, an dem die Police gekündigt ist. Das die Rechnung laut Datum an dem gleichen Tag erstellt wurde, wie das Schreiben mit der Kündigungsbestätigung, habe ich erst später realisiert.
So viel Chaos auf einem Haufen ist schon erschreckend. Ich bin mal auf die Fortsetzung gespannt. Schließlich habe ich jetzt eine doppelt versicherte Scheune, die aber zu schade ist, um sie einfach abzufackeln ;-) Ich werde weiter berichten...
Wie könnte es anders sein... Am 29.07.2010 erhielt ich schon wieder Post. Wieder an meine neue Adresse. Diesmal mit einem Doktortitel vor meinem richtig geschriebenen Namen. Immerhin kann man der Allianz eine gewisse, wenn auch skurrile Kreativität nicht absprechen. Inhalt des Schreibens war die "Androhung" einer weiteren Police, ebenfalls mit der Bezeichnung GSV..., aber einer unbekannten Nummer. Und der Angabe "Inhaltsversicherung". Was im Einzelnen sich dahinter verbergen mag? Darüber schweigt das Schreiben. Aber das ist ja nichts Neues mehr. Da es nicht die Hausratversicherung sein kann, bleibt eigentlich nur eine Glasversicherung, denn Terrorismus hatten wir ja schon. Es wird immer offensichtlicher, dass bei der Allianz niemand einen Überblick darüber hat, was an Versicherungen zusammen gehört und ebenso niemand mit dem anderen redet. Kurzum: Ein innerbetrieblicher Informationsfluss findet eindeutig nicht statt.
Cleverer Weise hatte ich meine Kündigung so formuliert, dass sämtliche, auch mir nicht bekannte Policen gekündigt werden. Anscheinend hat es aber niemand geschafft, das vierzeilige Kündigungsschreiben bis zum Ende zu lesen. Was für ein Armutszeugnis. Da ich so langsam die Contenance verliere, habe ich "meinem" freundlichen Fachmann von der Allianz heute eine E-Mail geschrieben und mein Kündigungsschreiben nochmals beigefügt. Die Passage "sowie alle übrigen, eventuell nicht aufgeführten Versicherungen, die im Zusammenhang mit diesem Gebäude bestehen sollten" habe ich für alle empfangenden Legastheniker aufmerksamkeitsheischend fett gemacht. Ich habe, so dürfte aus der Mail hervorgehen, keine Lust mehr, mich mit diesem Saftladen weiter auseinander zu setzen.
Hier die Mail im Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Z.,
nachdem mich Ihre große, grenzdebile Gesellschaft namens Allianz jetzt seit etlichen Wochen mit mehr oder weniger skurrilen Kapriolen unterhält, habe ich gestern zu meinem nicht mehr besonders großen Erstaunen schon wieder Post erhalten.
Nachdem ich mit meiner zu Ihrer Information nochmals beigefügten Kündigung zum 01.08.2010 ALLE im Zusammenhang mit meiner erworbenen Immobilie stehenden Versicherungen gekündigt habe, frage ich mich, wie es möglich ist, dieses Schreiben zu erhalten. Immerhin wurde mir die Kündigung der Immobilienversicherung bereits schriftlich bestätigt. Da in meinem Kündigungsschreiben ausdrücklich alle (für Sie habe ich die entsprechende Passage meines Schreibens extra fett gekennzeichnet) bestehenden Versicherungen angesprochen wurden, sind daher mit der Kündigungsbestätigung durch die Allianz auch alle bestehenden Versicherungen als gekündigt bestätigt. Das betrifft auch sämtliche, in der Kündigungsbestätigung nicht explizit aufgeführten Versicherungsscheine.
Schließlich ist es nicht meine Aufgabe, nach mir unbekannten Policen zu suchen.
Im Übrigen frage ich mich, wie Sie es jetzt, nachdem in den zurückliegenden Schreiben mein Name zunächst falsch, dann richtig geschrieben und diese dann von meiner bestehenden an meine zukünftige Adresse adressiert wurden, geschafft haben, mir einen Doktortitel anzudichten? Woher nehmen Sie eigentlich Ihre Informationen? Weiß bei der Allianz irgend jemand, wie man Information, Nachfrage oder Recherche schreibt, was diese Worte bedeuten und wozu man diese Tätigkeiten nutzbringend einsetzen kann? Von dem Wort (innerbetriebliche) Kommunikation schweige ich lieber...
Langer Rede kurzer Sinn: Ich wünsche keine weiteren Schreiben Ihrer Gesellschaft mehr. Weder an die eine noch die andere Adresse. Und weder mit noch ohne Namenszusatz. Bis auf eines:
Ich erwarte kurzfristig innerhalb der nächsten 10 Tage die schriftliche Bestätigung, dass sämtliche, mit dem Grundstück Wiesenstraße 9, in 53520 Sierscheid in Zusammenhang stehenden Policen, wirksam gekündigt sind und dass Beitragsforderungen nicht bestehen.
Normalerweise würde ich mich in der eindeutigen Rechtsposition, in der ich mich befinde, weiter köstlich über ihr überaus peinliches Informations- und Vertragsmanagement amüsieren, was ich bisher schon (auch öffentlich) getan habe. Da ich derzeit aber mit der Renovierung eben dieses Gebäudes zeitlich stark eingebunden bin, lehne ich weitere persönliche Aufwände ab. Sollten Sie sich nicht in der Lage sehen, mein gesetzlich verankertes Sonderkündigungsrecht in Gänze und nicht nur wie bisher teilweise anzuerkennen, wird die weitere Kommunikation ab sofort ausschließlich über meinen Anwalt erfolgen.
Gregor Jonas
Nach längerer Überlegung habe ich auf eine Grußformel verzichtet. Ich wollte nicht mit Dr. Jonas unterschreiben. Schließlich stellt die unrechtmäßige Führung eines deutschen oder ausländischen akademischen Grades eine Straftat gemäß § 132a StGB (Missbrauch von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen) dar und kann sogar mit Freiheitsstrafe belegt werden.
Surely to be continued...
Hat ja nicht lange gedauert. Nur einen weiteren Tag später erhielt ich die angekündigte Police. Warum schicken die das nicht mit einer Post? Weil die Versicherten das Porto ja bezahlen? Gut, dass diese Post nicht mehr aufzuhalten war, ist nachvollziehbar. Daher nahm ich den großen Umschlag auch ohne Aufregung entgegen. Was ich dann allerdings inhaltlich vorfand, sprengte meine gesammelte Vorstellungskraft. Jetzt habe ich auch noch eine Hobby-Landwirtschaftsversicherung! So was gibt es tatsächlich. Und für nur etwa 140 € im Jahr. Ist ja fast geschenkt. Vielleicht sollte ich mir jetzt ein paar Hühner kaufen? Ich glaube, nach Abschluss all der Versicherungen ist der Makler erst mal von den Provisionen in Urlaub gefahren. Mein Vorbesitzer hat sich ja wohl so ziemlich alles andrehen lassen.
Da ich ja dazu neige, alles zu hinterfragen, kam mir gleich die Frage in den Sinn, ob eine solche Versicherung noch unter die gesetzliche Regelung der Wohngebäudeversicherung bei Eigentumsübergang fällt. Schließlich bezeichnet selbst die Allianz diese Versicherung nicht mehr als Immobilien- sondern als Inhalteversicherung. Und eine solche dürfte, ohne das näher geprüft zu haben, gar nicht auf den Erwerber einer Immobilie übergehen. Schließlich übernimmt man ja auch keine Hausratversicherung vom Vorbesitzer. Die Allianz lässt aber auch nichts unversucht, jeden denkbaren und gleich auch noch jeden undenkbaren Fehler bei mir anzuwenden.
Und mein Briefkasten ist ja groß, vielleicht kommt das mit der Hausratversicherung ja auch noch. Und eine Glasversicherung ist mir auch noch nicht untergekommen.
Neugierig wie ich bin habe ich mal die Versicherungsbeiträge der inzwischen drei Policen auf Jahresbeiträge um- und dann zusammen gerechnet:
| Wohngebäudeversicherung | 661,48 € |
| Scheune | 233,89 € |
| Hobby-Landwirtschaft | 137,42 € |
| Summe | 1.032,79 € |
Nur mal zum Vergleich: Bei der HUK zahle ich jährlich, ebenfalls ohne Glasversicherung, natürlich ohne Landwirtschaftsversicherung aber inklusive der Scheune 353,25 €. Und dabei sind schon jede Menge Sachen mitversichert, die ich im Leben nie brauchen werde. Und dann wundert sich die Allianz, dass ich bei ihnen nicht bleiben möchte? Zusätzliche Rabatte auf meine Fahrzeugversicherung, die die HUK bei gleichzeitig bestehender Wohngebäudeversicherung gewährt, habe ich nicht einmal berücksichtigt.
Da mein Vorbesitzer garantiert auch eine Hausratversicherung hatte, kann ich mir kaum vorstellen, was er an die Versicherungen jedes Jahr zahlen musste. Kein Wunder, dass er die meisten Beiträge quartalsmäßig gezahlt hat. Aber vielleicht erfahre ich ja auch diese Details noch ;)
Montag, 02.08.2010: Eine Antwort des gescholtenen Herrn Allianz-Generalvertreters Z. per Mail:
"Sehr geehrter Herr Jonas,
ich bedauere die Umstände sehr,habe sie aber in keinerweise selber zu
verantworten.
Die gesamte Bearbeitung erfolgt in der Allianz Zentrale.
Ihre E-Mail habe ich auch dorthin zur Beantwortung weitergeleitet.Wann und wie
die Beantwortung erfolgt,kann ich auch nicht beeinflussen.
Bei weiteren Rückfragen,können sie sich direkt unter intern.sachbetrieb@allianz.de
oder Tel.0406946960106 oder Fax 0305389360412 in Verbindung setzen.
Mit freundlichen Grüßen
Frank Z.
Allianz Versicherung
[...]
40/530/0540
[Intrnetadresse]
Vermittlung von:
Versicherungen an die Versicherungsunternehmen der Allianz
Vermittlung von Versicherungen als gebundener Vertreter nach§ 34 d Abs.4
Gewerbeordnung ausschließlich an die Versicherungsunternehmen der Allianz
Eingetragen im Versicherungsvermittlerregister unter Nummer D-E24K-6DMMP-75,
Deutscher Industrie-und Handelstag(DIHK)e.V.,Breite Straße 29, 10178 Berlin
Tel.0180.5005850 /14 Cent/Min. aus dem deutschen Festnetz, aus dem Mobilfunknetz
höchstens 42 Cent die Minute.
www.vermittlerregister.info und www.vermittlerregister.org
Schlichtungsstellen:Versicherungsombudsmann e.V.,Postfach
080632, 10006 Berlin
E-Mail:beschwerde@versicherungsombudsmann.de
Ombudsmann Private Kranken- und Pflegeversicherung,
Kronenstr.13,10117 Berlin"
Die für die Textlänge zahlreichen Fehler habe ich nicht zu verantworten ;-) Irgendwie passen sie doch sehr gut ins Bild. Wer nicht lesen kann, wird auch mit dem Schreiben Schwierigkeiten haben.
Ich finde es ärmlich, dass jemand, der die ganzen Policen verkauft hat und sich "Generalvertretung" schimpft, die Verantwortung so lapidar von sich weist. Der Kunde kann ja sehen, wo er bleibt und sich selbst drum kümmern. DAS ist doch ein Service! Aber diese Aussage hatte ich ja schon einmal telefonisch erhalten. Wäre es nicht die Aufgabe eines Kundenbetreuers, sich auch des Anliegens seiner Kunden anzunehmen? Aber wie steht in der E-Mailsignatur? Vermittlung von: Versicherungen an die Versicherungsunternehmen der Allianz". Ich habe absichtlich die gesamte Signatur abgebildet. Erstens steht da tatsächlich sonst nichts über Dienstleistungen. Mit dem Vermitteln von Versicherungen sieht der Herr seine Aufgabe als erfüllt an. Zweitens stehen sogar hier (!) etliche Fehler drin. Besonders scheint Herr Z. auf Kriegsfuß mit dem Leerzeichen zu stehen. Sehr Vertrauen erweckend.
Gut, inzwischen bin ich ziemlich zwiegespalten, ob ich mich nun über solche Mitarbeiter amüsieren oder ärgern soll. Man stelle sich vor, von diesem Kaliber finden sich in diesem Unternehmen noch mehr Mitarbeiter/innen. Nach meinen bisherigen Erfahrungen ist das nicht auszuschließen. Heute habe ich beschlossen, mich darüber zu amüsieren. Und so habe ich nett geantwortet:
"Hallo Herr Z.,
ich bin begeistert von Ihrem Service und Ihren Rechtschreibfehlern. Da fasst man doch gleich Vertrauen.
Gruß
Gregor Jonas"
Ich befürchte, meine gute Laune könnte schnell in das Gegenteil umschlagen.
06.08.2010: Meine Laune hat sich verbessert. Heute kam an meine alte Adresse die Bestätigung der Kündigung für die Scheunenversicherung. Allerdings ist die jetzt auch an Dr. Jonas adressiert. Das ist für diese Police immerhin die 3. Namensänderung. Von falsch (Joas) zu richtig (Jonas) zu D. Jonas...
Zu verdanken ist das einer lieben Freundin, die bei der Commerzbank beschäftigt ist, die bekanntlich zum Allianz-Konzern gehört. Letztendlich hatte ich sie gebeten, sich der Sache mal anzunehmen. Aber eine generelle Kündigungsannahme, die ihr Allianz-Kollege ihr zugesagt hatte, scheint unmöglich zu sein.
Sollten jetzt keine weiteren Policen mehr auftauchen, bin ich nur noch Hobby-Landwirt.
Man sollte der Fairness halber noch erwähnen, dass die GSV-Policen gewerbliche Versicherungen sind (Gewerbliche SachVesicherung), die natürlich teurer sind als private. Warum der Verkäufer allerdings gewerbliche Versicherungen, die vielleicht irgendwann mal einen Sinn gehabt haben mögen, nicht gekündigt oder umgewandelt hat, kann ich nicht sagen.
Einen Tag später... Diesmal -immer noch Dr.- bekam ich erneut Post. Und zwar zur Abwechslung wieder zur neuen Adresse. Der Inhalt war aber zum Glück der gleiche wie der von gestern. Also kein Hobby-Landwirt mehr.
Es scheint, als ob ich aus der Nummer raus wäre. Da am gleichen Tag auch die Eintragungsmeldung für das Grundbuch kam, hat sich das Ganze ohnehin nur um wenige Tage überschnitten.
Ein Abenteuer weniger...
(c) 2010 Gregor Jonas
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