(Un)Einheitlichkeit bei Schuhgrößen

Warum macht man sich überhaupt die Mühe?


Zur Einleitung möchte ich erwähnen, dass ich gut zwei Meter groß bin und dafür noch verhältnismäßig kleine Füße habe. Dass bei mir zusätzlich das Problem besteht, dass ich zwar einigermaßen normal breite Füße, dafür aber einen extrem flachen Spann habe. Also ist es gar nicht so einfach, passende Schuhe zu bekommen.

Im ersten Absatz habe ich ganz bewusst vermieden, meine Schuhgröße anzugeben. Denn das ist genau die Frage: Welche Größe ist es? Denn das ist gar nicht so einfach anzugeben.

Früher, als man noch in Schuhgeschäfte ging, war ich schon dankbar, wenn man mir überhaupt etwas anbieten konnte. Das waren dann meist Schuhe, die nach deutscher Größe angegeben waren und dann war es meist 49. Nicht, dass es bei Sport- und Turnschuhen die gleiche Größe gewesen wäre. Da wurden die Größen meist in amerikanischen Größen angegeben und da war es meisten 15, manchmal 16. Oder es waren britische Größen. Und die hießen 14 oder 15. Und weil es keine Auswahl gab, musste ich ohnehin nehmen, was da war. Dafür konnte ich die Schuhe aber auch anprobieren, so dass es auf die angegebene Größe nicht wirklich angekommen ist. Zumindest musste ich nicht barfuß herumlaufen...

Nun, die Zeiten haben sich geändert. Heute ist es ohne Probleme möglich, Schuhe im Onlinehandel zu kaufen. Und das mit einer früher nie gekannten Auswahl. Natürlich ist das Angebot nach wie vor beschränkt, aber man ist ja froh, dass es überhaupt so viele Alternativen gibt. Wenn da nicht das Problem mit den Größenangaben wäre. Wenn ich schon lesen muss, dass die Verkäufer "fällt kleiner aus" oder "fällt normal aus" angeben, rollen sich mir die Zehennägel auf (um im Themenbereich zu bleiben. Wie kann eine Größenangabe "kleiner" ausfallen? Wenn ich auf einem Gliedermaßstab (umgangssprachlich auch "Zollstock" genannt) solche Angaben finden würde, würde unsere gesamte genormte Welt zusammenbrechen. Gut, wenn man sich im Internet etwas schlau macht, wird oft das Thema "Umrechnung" und "Rundung" als Begründung angegeben. In geringem Umfang mag das ja auch stimmen, denn Zoll (oder Inch) in Zentimeter umzurechnen geht halt nicht immer genau auf.

Jetzt gehen die deutschen Größen vom sogenannten "Pariser Stich" aus, was meint, dass die Anzahl der Nahtstiche, die man für ein Fußbett benötigt, die Größenangabe ergibt. Das mag aus Sicht eines Schuhmachers Sinn ergeben, aus (heutiger) Verbrauchersicht erscheint das ziemlich seltsam. Zumal deutsche und französische Angaben hierbei mangels Normung bereits geringfügig abweichen. Und das Problem europaweit anzugleichen, hat das Ganze auch nicht besser gemacht.

Um wieder auf das Thema Onlinehandel zurückzukommen: Auf die Schuhgröße kann man sich nicht verlassen, so dass das Bestellen von Schuhen ein reines Glücksspiel ist. Kennt man die Größeninterpretation eines Herstellers, kann man (zumindest oft) davon ausgehen, dass ein neues Paar in der gleichen Größe passt, wie das, was man bereits hat. Was auch eine Art der Kundenbindung ist. Aber Schuhe eines unbekannten Herstellers zu bestellen führt sehr oft zu eigentlich völlig unnötigen Retouren. Und das ist nicht nur für den Handel, sondern auch für die Umwelt problematisch. Für die Verbraucher ist es mindestens lästig.

Bei dem ganzen Themenkomplex sind die Asiaten auf die einzige logische Lösung gekommen: Sie geben einfach die Innnenschuhlänge in Zentimetern an. Da gibt es nichts zu interpretieren oder auszulegen. Ein Zentimeter ist weltweit genormt und so weiß man, was einen erwartet. Wenigstens einige Hersteller geben in Umrechnungstabellen auch die cm-Angaben an, so dass man wenigstens weiß, was einen erwartet. Anhand dieser Angaben habe ich für die Größe 50 bereits 32 cm bis maximal 35 cm als Angabe gefunden. Anders herum habe ich hier Schuhe der Firma Atlas in 49 und Merrell in Größe 50, deren Innensohle auf den 10tel Millimeter gleich groß sind.

Den Vogel schießt aber Dockers by Gerli ab. Von denen habe ich ein Paar gekauft, weil der Verkäufer die 33 cm dazu geschrieben hatte. Und auf dem Karton wird die Größe 50 mit 33,5 cm angegeben, was immer noch passend ist. als ich mich aber auf deren Homepage umgeschaut habe, ist mir dort eine andere Größentabelle aufgefallen (wohlgemerkt auf der offiziellen Dockers-Homepage!). dort wird die Größe 50 mit 32 cm angegeben. das sind 1,5 cm weniger als auf dem Schuhkarton. Eine Aufklärung konnte oder wollte mir die Firma trotz zweimaliger Nachfrage nicht geben. Wie soll man denn Schuhe online kaufen, wenn ein Hersteller so eklatant unterschiedliche Angaben macht?

Für uns Kunden wäre es wirklich hilfreich, wen sich mehr Hersteller dazu durchringen könnten, die Größenangaben (auch) in Zentimetern zu machen. Der jetzige Zustand hilft niemandem.


© Gregor Jonas 2024
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