Internetkauf und Versand

oder: Der verschwundene Paketinhalt bei DPD


Heute hole ich etwas weiter aus, weil ich mir den Frust von der Leber schreiben muss...

So wie jetzt saß ich am 16.03.2019 an meinem alten ALDI-Notebook von 2011 und ärgerte mich über die inzwischen unterirdischen Antwortzeiten. Das System rödelt permanent auf der Festplatte rum, und der Internetzugriff funktioniert auch nur noch in guten Momenten. Also habe ich endlich nach einem neuen Notebook gesucht und bin dann auch fündig geworden. Was ich gekauft habe, ist eigentlich nicht so wichtig, aber den Vollständigkeit halber:  Es war ein DELL Inspiron 17 3780 P14GJ 17,3" FHD i. Ich möchte hier aber betonen, dass Dell hier kein Vorwurf gemacht wird, schließlich sind Defekte nie auszuschließen. Aber dazu später mehr. Immerhin tauchen meine Initialen in der Gerätebezeichnung auf, wenn auch die Kaufentscheidung natürlich auf dem Preis/Leistungsverhältnis beruht hat.

Am Dienstag kam das neue Teil an. Sieht unspektakulär aus, ist aber verdammt schnell. Da machen sich die SSD und der Quadcore-Prozessor bemerkbar. Das Aufsetzen von Windows 10 war problemlos bis auf die Aktivierung des Betriebssystems. Da musste ich mit Hilfe des freundlichen Dell-Supports nacharbeiten. Windows 7 gewohnt, kam ich aber mit der neuen OS-Version prima zurecht. Dass die Übertragung von Daten und die Installation meiner Software ein paar Stunden gedauert hat, hatte ich einkalkuliert. Insgesamt war ich aber recht schnell wieder arbeitsfähig.

Leider fing dann das Ganze an, problematisch zu werden. Dell hat ein eigenes Updateprogramm, dass immer wieder drei Updates installieren wollte, aber dann nicht hinbekam. Statt dessen bekam ich diese Meldung immer mal wieder. Hat mich zunächst nur etwas irritiert, ich war noch zu sehr damit beschäftigt, mir die neuen Windows Features anzuschauen und meine Programme wieder entsprechend einzurichten. Dann kam der Moment, in dem ich eine Mail mit Anhang verschicken wollte. Das Internet lief, wenn auch nicht schnell (7.000 kbit downstream, 2.000 kbit Upstream). Nur kam beim Upload nichts. Nach einigen kb brach es ab. Mehrere Versuche später habe ich es mal mit ftp versucht, ging aber auch nur in Richtung download. Inzwischen genervt, schrieb ich die Mail vom Rechner meiner Frau, was anstandslos klappte. Aber ich konnte nicht glauben, dass das am neuen Rechner liegen sollte. Wenn man einen ADSL-Anschluss hat, dann steht entweder ein Konnekt zum Internet oder nicht. Dass nur der Upload nicht funktioniert, hatte ich noch nie erlebt (und als ehemaliger EDV-Leiter habe ich wirklich viel gesehen) und auch technisch hatte ich keine Idee, wie so etwas möglich sein sollte.

Also habe ich erst mal die Telekom gebeten, sich die Leitung anzuschauen. Beim ersten Mal war die Leitung sauber, später war auch ein Langzeitscan negativ. Also der Internetanschluss war es nicht. Zu allem Übel klappte dann der Upload manchmal, was mich dann völlig verwirrte. Als meine Nerven dann völlig hinüber waren, habe ich die Kiste in den Auslieferzustand versetzt und nochmal alles neu installiert. Leider mit dem gleichen Ergebnis. Dann habe ich mir die Dell-Update-App angeschaut und damit zwei der drei Updates hinbekommen. Leider hat das mein Problem nicht gelöst und das BIOS-Update lief auch nicht. Dell hat aber, wie ich herausfand, noch ein anderes Support-Tool, was unter anderem dem Supportmitarbeiter Daten und Möglichkeiten liefern soll. Aber auch für den User sind Features wie "Aufräumen" und "Überprüfen" vorhanden und auch Updates werden angezeigt und können dann manuell gestartet werden. Also hab ich bei der entsprechenden Nachfrage gesagt, die Updates sollen installiert werden. Ja, Updates. Neben dem BIOS waren noch mal zwei Treiber angegeben, was mich zu der Überzeugung brachte, dass diese Updates über die Update-App dann wohl doch nicht so erfolgreich verlaufen seien. Und dieses Mal funktionierte alles. Nach dem BIOS-Update war ein Neustart erforderlich, aber das System lief anstandslos wieder hoch. Und danach liefen meine Uploads - dachte ich. Denn als ich ein paar Stunden nur so aus Neugier erneut versuchte, etwas hochzuladen, war wieder Hängen im Schacht.

Vielleicht klappt das nur direkt nach dem Booten, dachte ich und startete die Kiste neu. Als erstes erschien ein sonst nicht vorhandener Balken mit einem ausführlichen Memorytest, der mehrere Minuten lief und mit einem schrillen Piepton endete. Danach teilte man mir mit, dass die Startdateien nicht vorhanden wären, das System sich aber problemlos wieder in den Auslieferungszustand versetzen lassen würde. Ich solle ganz unbesorgt sein. Ein Hoch auf die Programmierer, die so einen Ton anschlagen, wenn der Rechner den Geist aufzugeben scheint. Das habe ich natürlich abgebrochen, ein Mal neu aufsetzen hat mir gereicht. Und siehe da, das Betriebssystem startete ohne weitere Probleme - dachte ich. Denn als ich als Erstes meine Playlist starten wollte, wurde ich gefragt, ob ich den Datenträger formatieren wolle. Zur Info: Das BS ist auf C:\, die Daten (lagen) auf der SATA D:\ Nur waren auf D:\ keine Daten mehr. Nach dem ersten Schreck fand ich diese dann auf G:\ wieder. Die Datenträgerverwaltung zeigte mir ein etwas größeres Chaos., immerhin war nichts verloren gegangen. Und mein Upload funktionierte immer noch nicht.

Das war dann der Punkt, an dem ich die Rückgabe dieses Notebooks beschloss. Der Internethändler (Cyberport in Dresden) schickte mich auch ohne Probleme ein Retourenlabel per Mail und sagte mir Ersatz zu, sobald meine Rücksendung bei ihnen angekommen wäre. Dummerweise sollte die Retoure mit DPD und nicht über DHL erfolgen, mit denen das Paket gekommen war. Nicht so schön, weil ich zur Abgabe eine ganze Strecke fahren musste, aber gut. Ich wollte den Ersatz ja so schnell wie möglich haben. Also schnell noch die geänderten Daten gesichert, meine Daten und Verläufe gelöscht und die Datenpartition formatiert, auch wenn das für forensische Spezialisten kein Hindernis darstellen dürfte. Aber alles sicher zu löschen, hätte Tage gedauert... Dann den Rechner genauso eingepackt, wie ich ihn erhalten hatte, die Retourenmitteilung samt Fehlerbeschreibung dazugelegt, und dann das Retourenlabel aufgeklebt. Der DPD-Shop in Adenau entpuppte sich als Motorradwerkstatt. Der Scanner funktionierte nicht, die Nummer musste per Hand eingegeben werden und eine Quittung konnte der Werkstatttyp auch nicht ausstellen. Daher hatte ich von Anfang an kein gutes Gefühl.

Die Abgabe des Pakets im DHL-Shop erfolgte Montag Mittag (ausgerechnet am 01. April). Daher war ich erleichtert, als am Mittwoch Morgen vom Händler die Nachricht kam, dass das Paket angekommen und geprüft sei. Um so größer war der schock, als etwa fünf Stunden später erneut eine EMail kam, in der nicht die erhoffte Versandbenachrichtigung stand, sondern - in Kurzform - dass mein Paket leer gewesen sei. Es muss also irgendwo auf dem Weg vom Shop bis nach Dresden, wo der Händler sitzt, jemand das Paket geöffnet, alles entnommen und dann weitergeschickt haben. Vielleicht, um zu verschleiern, wo genau sich der Diebstahl ereignet hat. Immerhin dürfte mich das des Nachweises entheben, dass ich das Paket tatsächlich aufgegeben habe. Jetzt musste ich eine eidesstattliche Versicherung schreiben und unterschreiben, dass ich tatsächlich alle Bestandteile der Lieferung zurückgeschickt habe und auch genau das Paket beschreiben. Wenigstens bin ich froh, dass ich meine Daten noch gelöscht hatte.

Jetzt sitze ich hier verunsichert und ohne neuen PC an meiner alten Gurke und bin frustriert... Nicht, dass das mit DHL nicht auch hätte passieren können. Aber irgendwie hätte ich dann ein nicht ganz so schlechtes Gefühl bei der Sache.

Am 04.04.2019 bekam ich dann von meinem Lieferanten die Nachricht, dass mein Ersatzrechner versendet werde. Eine Auskunft darüber, wie die Geschichte mit DPD ausgegangen ist, bekam ich nicht. Möglicherweise hat meine Aufforderung, mir erst Ersatz zu liefern und sich anschließend mit DPD auseinanderzusetzen, ja geholfen. Glauben tue ich das nicht, aber man darf ja mal träumen. Am Samstag, dem 06.04.2019 kam das neue Teil tatsächlich auch an und war auch schnell soweit, dass ich testen konnte. Schließlich hatte ich ja Erfahrung mit der Einrichtung - viel mehr, als nir leib war. Zu meinem Entsetzen hat sich dann herausgestellt, dass der gleiche Fehler wieder auftrat. Nun, wahrscheinlich kann man sich meinen Frust so in etwa vorstellen.

Da der Support von Dell nur von Montag bis Freitag erreichbar ist, konnte ich daher zwei Tage lang nichts tun, als weiter rumzuprobieren. Das hat aber alles nichts genutzt außer, dass ich jetzt so ziemlich firm in den Einstellungen von Windows 10 bin. Am Montag morgen habe ich also den Support von Dell kontaktiert, wo man mir erst einmal vorschlug, den PC (den ich ja gerade frisch aufgesetzt hatte), nochmals neu zu installieren. Natürlich habe ich mich geweigert. Dann wurde mir angeboten, das Gerät abzuholen, zu reparieren und wiederzubringen. Ich hätte mit ca. 10 Werktagen zu rechnen. Aber auch das habe ich abgelehnt und auf den bereits umgetauschten Vorgänger verwiesen und argumentiert, meine Zeit und meine erven seinen schon weit über Gebühr beansprucht worden. Und siehe da, dann war es möglich mir einen Techniker für eine Vor-Ort-Reparatur zuzuteilen. Gleichzeitig haben wir uns darauf verständigt, den verbauten Qualcomm Atheros QCA9377 Wireless Network Adapter durch einen von Intel zu ersetzen. Denn in mehreren Foren im Internet hatte ich Hinweise darauf gefunden, dass der Qualcomm-Adapter mit AVM-Routern (in meinem Fall eine Fritz!Box 7390) Probleme macht. In mehreren Fällen war genau das gleiche Verhalten beschrieben, das auch ich beobachtet habe. Nämlich normales Surfverhalten, aber keine Uploads. Schon am nächsten Tag, also am Dienstag, kam der freundliche Dell-Techniker (kein Sarkasmus, sondern ehrlich gemeint!) und tauschte den Qualkomm-Adapter gegen eine Intel Wireless-AC 9560 aus. Kein großer Akt, aber nebenbei stellte er auch noch fest, dass das 8GB RAM-Modul auf den falschen von zwei Bänken angebracht war, was sich, wenn auch geringügig, auf die Startzeit ausgewirkt haben dürfte.

Nach dem Start des Rechners funktionierte der Upload auf Anhieb. Dann, nachdem ich den Rechner zu Testzwecken noch einmal neu gestartet hatte, der Techniker war schon wieder weg, hatte ich plötzlich wieder keinen Upload. Aber die Karte hatte sich, warum und wie auch immer, an meinem Gastzugang angemeldet. Den hatte ich am Wochenende einmal nutzen müssen, weil ich mich bei der ganzen Probiererei einmal abgeschossen hatte. Diesen Zugang habe ich dann in der Systemsteuerung von Windows rausgeworfen. Zusätzlich habe ich bei den Adaptereinstellungen der neuen Intel WLAN-Karte die Einstellung "Computer kann das Gerät ausschalten, um Energie zu sparen", die standardmäßig aktiviert ist, ausgeschaltet. --> Systemsteuerung | Netzwerk und Internet | Netzwerkverbindungen | Adapter doppelt anklicken | Eigenschaften | Client für Microsoft-Netzwerke (ist schon voreingestellt) | Konfigurieren | Energieverwaltung | da endlich das Häkchen entfernen.

Seitdem habe ich (bislang) noch keine weiteren Ausfälle festgestellt, auch nicht nach dem Aufwecken nach dem Energiesparzustand. Allerdings musste ich mich zwei Mal manuell am Funknetz neu verbinden, nachdem ich den Rechner aus dem Energiesparmodus aufgeweckt hatte. Jetzt habe ich den aktuellen Treiber 2018 (20.100.0.4) installiert und damit läuft es stabil, auch ohne die oben beschriebene Energieeinstellung. Wo Windows den Treiber auch immer herhatte, der direkt nach dem Einbau der Intelkarte zum Einsatz kam, es war wohl ein älterer.

Mein Dank gebührt dem Support von Dell und der Firma Cyberport, die trotz des Verlustes auf dem Transportweg einen schnellen Ersatz sichergestellt haben. Lediglich die Logistikfirma DPD kommt bei der Geschichte irgendwie nicht so ganz gut weg... Auf meine Nachfrage teilte mir Cyberport am 10.04.2019 mit, dass sich "der Sachverhalt noch in der Klärung mit dem Carrier befinde". Wenn DPD nach 7 Tagen noch nicht verstanden hat, dass sie bestohlen worden sind, dann ist denen wohl nicht zu helfen. Als Hilfe von mir: DPD sollte in ihrer eigenen Logistikkette suchen. Irgendjemand muss ja die Zeit und die Gelegenheit gehabt haben, mein Paket auszupacken und leer wieder zu verschließen. Das war kein Gelegenheitsdieb, sondern jemand Internes. Wer sonst hätte ein Interesse daran, den genauen Ort und Zeitpunkt eines Diebstahls zu verschleiern? Jeder andere hätte sich das Paket unter den Arm geklemmt und hätte sich damit aus dem Staub gemacht. So wurde das Paket bis zum Zielort transportiert und erst der Empfänger konnte feststellen, dass es leer war. Damit erst lässt sich vertuschen, an welcher Stelle der Lieferkette der Diebstahl tatsächlich begangen wurde.

Ende gut, alles gut? Das kann ich noch nicht ganz absehen. Es sieht gut aus und es kommt hoffentlich die Zeit, in der sich meine Nerven beruhigen. Aber Qualcomm hat doch sicher sehr viele dieser Adapter verkauft und es dürfte auch viele Betreiber geben, die auch AVM-Hardware betreiben. Also genügend potenzielle Opfer dieses Problems.


© Gregor Jonas 2019
www.gregor-jonas.de