Preisgestaltung bei Sicherheitsschuhen

Stellvertretend für die gesamte Branche: Atlas-Schuhe

Atlas-Schuhe: Allgemeiner Umgang mit Kunden


Wie weiter unten auch in meiner Mail beschrieben, trage ich gerne Sicherheitsschuhe von Atlas. Die sind bequem und passgenau, so dass ich sie ohne Risiko im Internet kaufen kann. Bereits bei einer Reklamation 2017 hatte ich an die Firma die Frage gestellt, wie sich der Preisaufschlag rechtfertigt, der ausgerechnet bei der Größe 49 anfängt und im Moment knapp 20 € je Paar beträgt (Einzelhandelsendpreis). Das ist frustrierend, betrifft aber natürlich nicht nur Atlas die hier deswegen nur stellvertretend für die gesamte Schuhbranche angefragt werden. Während die Reklamation sehr zügig und kundenfreundlich abgewickelt wurde, bekam ich trotz Nachfrage auf meine Preisgestaltungsfrage keine Antwort.

Daher dachte ich mir, ich versuche es ohne die Vermischung mit einem anderen Thema erneut:

An: Atlasschuhe Info <info@atlasschuhe.de>
Gesendet: Sonntag, 19. Februar 2023 um 08:37:35 MEZ

Betreff: Preisaufschlag ab Größe 49


Sehr geehrte Damen und Herren,

seit Jahren trage ich sehr gerne Atlas-Sicherheitsschuhe, weil sie sehr bequem sind.
Was mich aber sehr frustriert ist, dass ab Größe 49 ein wirklich happiger Preisaufschlag von annähernd 20 € pro Paar verlangt wird. Selbstverständlich steht Ihnen als Hersteller die Preiskalkulation frei, dennoch komme ich nicht dahinter, warum die übrigen Größen in einer Mischkalkulation zum gleichen Preis angeboten werden. Wenn sich die Fußgröße wie zu erwarten in einer Gaußkurve abbildet, dann müssen die kleinen Größen 36 und 37 genau so oft bzw. selten nachgefragt werden wie die großen Größen. Gemäß Ihrer Mischkalkulation fangen also die Hauptgrößen 41 - 44 die Mehrkosten bei den kleine, nicht aber die bei den großen Größen auf. Und dass von Größe 48 auf 49 20 € Materialmehrkosten anfallen, dürfte unrealistisch sein, da die Produktionskosten, wie Sie sicher besser wissen als ich, von völlig anderen Faktoren abhängen (wie z.B. der Herstellung des Leisten).
Ich möchte nicht so weit gehen und behaupten, ich würde durch diese Preisgestaltung gegenüber kleinen Menschen diskriminiert, aber ich bin doch deutlich frustriert und fühle mich ein Stück weit ausgenutzt. Für meine Größe kann ich nichts und auf Ihre Preisgestaltung habe ich keinen Einfluss. Daher ist mir sehr daran gelegen zu verstehen, welche Gründe zu solch einer Kalkulation führen und aus welchem Grund ich diese Mehrkosten tragen muss. Vielleicht fühle ich mich besser, wenn ich das nachvollziehen kann.

Ich weiß zwar, dass auch die Konkurrenz ähnlich verfährt, was aber alleine kein Grund zu der Annahme ist, dass hier ein nachvollziehbarer Grund gegeben ist. Daher würde ich mich sehr über einige erläuternde und erhellende Fakten freuen!

In gespannter Erwartung Ihrer Rückantwort verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen

Gregor Jonas

Wie erwartet bekam ich bis Anfang März keine Antwort, weshalb ich daran nochmal erinnert habe. Aber ich halte die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich eine Antwort zu bekommen, für extrem gering.

Es geschehen noch kleine Wunder. Nach meiner heutigen Nachfrage bekam ich folgende Antwort, die mich inhaltlich zwar nicht auf ganzer Linie überzeugt, aber freundlich und zuvorkommend ist:

01.03.2023

Sehr geehrter Herr Jonas,

herzlichen Dank für Ihre freundliche Anfrage und Ihr aufrichtiges Interesse an den Hintergründen der Preisgestaltung für Übergrößen. Wir können verstehen, dass sich insbesondere unsere persönlich betroffenen Kundinnen und Kunden Transparenz wünschen. Gerne möchten wir deshalb mit etwas Aufklärung zu einem besseren Gefühl beim Kauf verhelfen:

Wie Sie ganz richtig angemerkt haben, sind Aufpreise für Übergrößen in der Sicherheitsschuhbranche üblich. Dies liegt tatsächlich zum einen am Materialeinsatz. Anders als bei kleinen Größen ist für Übergrößen überdurchschnittlich viel (statt weniger) Material nötig. Wenn Sie beispielsweise an Modelle mit Mesh-Obermaterial denken, finden auf einer Standard-Rolle mehr Schaft-Ausschnitte für kleine Größen Platz als für große Größen. Zudem ist nicht nur die tatsächlich am Schuh verwendete Materialmenge zu berücksichtigen, sondern auch der höher ausfallende Materialverschnitt.

Ein weiterer Grund sind die geringeren Stückzahlen. Wie Sie ganz richtig beschrieben haben, werden die Produktionskosten – vereinfacht erklärt – auf die Endprodukte umgelegt. Bei unseren Übergrößen verteilen sich die Kosten, bspw. der Leisten, auf eine wesentlich geringere Stückzahl, wodurch die Produktionskosten für den einzelnen Schuh steigen.

Wir können dennoch verstehen, dass der dadurch resultierende Verkaufspreis für betroffene Endkundinnen und -kunden zu Frustrationen führen kann. Als kleinen Trost möchten wir Ihnen gern anbieten, sich doch einmal in unserem Sortiment an Socken und Einlegesohlen umzuschauen. Wenn Sie uns Ihre Favoriten-Socken und Favoriten-Einlegesohlen nennen, würden wir Ihnen diese sehr gern frei Haus zukommen lassen.

Mit herzlichen Grüßen aus Dortmund

Umgehend habe ich mich dann auch dafür bedankt:

Hallo Frau C.,

zunächst einmal herzlichen Dank für Ihre Antwort und Erläuterung. Hiermit hatte ich nicht ernsthaft gerechnet.

Auch wenn ich das mit den Mehrkosten im Vergleich zu den kleinen Größen nur zum Teil nachvollziehen kann, finde ich Ihre Geste zum Trost doch sehr erfreulich.

Mit Socken bin ich reichlich ausgestattet, aber an Einlegesohlen immer sehr interessiert, da ich zu den großen Füßen auch noch einen sehr flachen Spann habe und daher in jedem Schuh zusätzliche Einlegesohlen tragen muss, damit ich darin nicht schlappe. Daher wäre ich für die Ergo-Med Sohlen dankbar. Und wenn Sie mir statt der Socken ein paar Schnürsenkel zukommen lasen würden, könnte ich auch diese gut gebrauchen (Halbschuh schwarz, die passen zu allen Farben).

Herzlichen Dank und nette Grüße
Gregor Jonas


Umgang mit Kunden

Oben zeigte Atlas sich ja recht kulant, auch wenn ich nach wie vor nicht wirklich verstehe, warum ab Schuhgröße 49 die anderen Größen subventioniert werden. Aber nachdem ich mir zwei neue Paar gekauft hatte, bekam ich folgendes Problem: Die Zungen des einen Paars rutschen nach und nach in den Schuh, was das Tragen unangenehm macht. Da das beim Anprobieren nicht aufgefallen ist, sondern erst beim Gebrauch auftrat, konnte ich die getragenen Schuhe nicht mehr zurückgeben. Atlas stellt sich jedoch stur und ist zu keinerlei Entgegenkommen bereit. Dabei besteht bei diesem Paar ein Designmangel, weil die einfache und billige Maßnahme, auf den Zungen -wie bei so vielen anderen Modellen auch- Laschen zur Fixierung anzubringen, unterlassen wurde. Und meiner Meinung nach hätte Atlas hierfür gerade stehen müssen, selbst wenn bei den meisten anderen Nutzern dieser Mangel nicht auftritt. Für meine Fußform kann ich jedenfalls nichs.

Den gesamten Schriftverkehr mit der Firma Atlas möchte ich dem Leser ersparen, weil ich in meiner letzten Mail an den Händler vom 07.07.2023 das Wesentliche zusammengefasst habe. Da kann sich jeder eine eigene Meinung bilden:

Sehr geehrte Damen und Herren,

nachdem ich jetzt noch einmal ausführlicher über Ihre Antwort nachgedacht habe bin ich der Auffassung, dass meine Antwort vom gestrigen Tag nicht ausreicht, um meine Problematik darzulegen. Daher werde ich in der gebotenen Kürze, aber auch Ausführlichkeit, das Ganze chronologisch aufarbeiten:

Vorab das Fazit für den eiligen Leser.
1. Ich hatte keine Möglichkeit, das geschilderte Problem festzustellen, ohne die Schuhe getragen zu haben.
2. Ich hatte bereits die Firma Atlas darüber informiert, dass eine Rücksendung der Schuhe an den Händler nicht möglich sei
, weil sie getragen wurden und um eine anderweitige Lösung gebeten. Warum Atlas mein Problem trotzdem an Sie als Händler abgewälzt hat, erschließt sich mir nicht.

Ihre Lieferung erhielt ich am 17.06.2023. Am selben Tag packte ich die Ware aus und probierte die Schuhe an. Dazu gehörte, wie das üblich ist, ein paar Schritte zu gehen. Ergebnis: Die Schuhe passten und waren zu meiner Zufriedenheit. Und da ich mehrere andere Paare aus dem Hause Atlas besitze (und weitere verschlissen habe), die alle ebenfalls zu meiner Zufriedenheit ausgefallen sind, habe ich auch bei dieser Lieferung nicht mit Problemen gerechnet. Ich habe sogar die Kartons entsorgt weil ich mir sicher war, dass alles in Ordnung ist.

Am Folgetag, dem 18.06.2023, trug ich die Schuhe kurz für etwa 30 – 35 Minuten (kurzer Spaziergang mit meinen Hunden). Dabei fiel mir auf, dass sich die Zungen etwas mehr als zu erwarten war in Richtung Außenseite bewegt hatten. Ob sich hieraus allerdings ein tatsächliches Problem ergeben würde, war für mich nicht feststellbar. Die Zungen hätten bei längerem Tragen ja genauso gut in der erreichten Position verharren können.
Zu beachten ist, dass die Schuhe zu diesem Zeitpunkt wohl bereits als getragen zu bewerten sein dürften und damit alle weiteren Aktionen unter diesem Aspekt zu bewerten sind.

Unmittelbar nach diesem Spaziergang informierte ich Atlas (Frau C.), dass die fehlenden Zungenlaschen möglicherweise ein Problem verursachen könnten. Daraufhin bekam ich lediglich eine nichtssagende Antwort, die vermutlich auf einem Textbaustein basierte.

Um jetzt feststellen zu können ob ich mit dem Schuh tatsächlich ein Problem hatte oder vielleicht auch nicht, habe ich die Schuhe mehrmals länger getragen. Dabei musste ich feststellen, dass die Zungen tatsächlich wegrutschten, und zwar ganz allmählich, so dass schon mehr als eine Stunde Gehen erforderlich waren, um sie vollständig „verschwinden“ zu lassen. Eine Feststellung des Problems anhand einer kurzen Anprobe war definitiv nicht möglich.

Als Folge dieser Feststellung habe ich die Kabelbinder versuchsweise angebracht. Kabelbinder deshalb, weil man sie durch das Maschenmaterial der Zungen führen kann, ohne dass dabei Beschädigungen verursacht werden. Diese Lösung ist vollständig beschädigungsfrei rückgängig zu machen – und sie funktioniert. Wobei ich natürlich nicht sagen kann, für wie lange das Obermaterial die zusätzliche Belastung aushalten wird.
Nachdem ich mir also sicher war, ein Problem mit den Schuhen zu haben, schrieb ich Frau C. erneut am 27.06.2023 an. Leider bekam ich zunächst nur eine Abwesenheitsnotiz und habe daher am 05.07.2023 nochmals erinnert. In meiner Mail befand sich auch besagtes Foto der Schuhe mit den Kabelbindern. Das sollte zeigen, dass hier ein Designproblem und kein Fertigungsfehler Ursache war. Im Übrigen habe ich auch darauf hingewiesen, und ich darf mich selbst zitieren: „Da ich, um feststellen zu können, dass dir Zungen tatsächlich wegrutschen, die Schuhe tragen musste, kann ich sie nicht mehr an den Händler zurückgeben“. Insofern kann ich Ihre Weigerung verstehen, meine Reklamation als Händler abzulehnen.
Entweder hat Frau C. meine Mail nicht gelesen, nicht verstanden oder sie wollte das Problem an Sie als Händler abschieben.

Ich wiederhole, dass ich keine Möglichkeit hatte, das Problem durch einfaches Anprobieren hätte erkennen können. Auch liegt weder der Fall vor, dass mir die Ware nicht gefallen hätte noch ist ein Produktionsfehler die Ursache.
Das Problem wird verursacht, weil Atlas bei diesem Modell auf das Anbringen von Zungenlaschen verzichtet hat, die die meisten ihrer Modelle aus gutem Grund haben. Es handelt sich damit um ein Designproblem, dass ich als Kunde ausbaden soll, obwohl ich nach meiner Meinung nichts falsch gemacht habe. Aus diesem Grunde habe ich auch Atlas als Hersteller und nicht Sie als Händler um eine kulante Regelung gebeten, was leider auf Ablehnung gestoßen ist. Dass Sie jetzt involviert sind, geht lediglich auf Atlas zurück und ich bedauere, dass Sie sich damit herumärgern müssen. Aber ich hoffe auf Ihre Verständnis, dass ich ebenfalls von Atlas enttäuscht bin. Denn neue Schuhe in der gezeigten Weise manipulieren zu müssen, weil sie sonst nicht nutzbar sind und sie nicht umtauschen zu können, weil das Problem erst während der Nutzung festzustellen war, ist sehr frustrierend.

Da Sie als Händler hier tatsächlich nicht verantwortlich sind, bitte ich Sie, das Problem zurück an Atlas zu verweisen in der Hoffnung, doch noch eine Lösung aufgezeigt zu bekommen.

Es wäre nett, wenn Sie mich dahingehend informieren würden, weil ich sonst selbst erneut an Atlas herantreten müsste. Und dort scheint ein Kunde nicht gerade mit offenen Armen empfangen zu werden.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Gregor Jonas

Und die unmittelbar erfolgte Antwort des Händlers:

Guten Tag,

vielen Dank für Ihre Nachricht.

Der Hersteller Atlas ist zwischenzeitlich an uns herangetreten und teilte uns mit, dass dieser ebenfalls nichts weiter für Sie tun kann.

Daher können wir Ihnen an dieser Stelle nicht weiterhelfen.


Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Wir freuen uns jederzeit, wenn Sie sich bei Fragen oder Feedback an uns wenden.

Schönen Dank auch. Da stehe ich jetzt als Kunde mit einem neuen Paar Schuhe für 120 €, die ich als Kunde nicht ohne kreative Manipulation benutzen und die ich nicht umtauschen kann. Für alle kreativen Heimwerker hier noch das oben beschriebene Foto, das meine Lösung mit den Kabelbindern zeigt. Eine Lösung, die zwar cool ist und die funktioniert, bei einem neuen Paar Schuhe aber unnötig sein sollte. Und wie lange das funktioniert, steht auch in den Sternen.

Der Hersteller hat sich hier jedenfalls nicht mit kundenfreundlich gezeigt.


© Gregor Jonas 2023
www.gregor-jonas.de