19.03.2019. Unser Duncan ist tot. 9 Jahre, 4 Monate und 2 Tage
nur durftest du alt werden. Da tröstet es auch nicht, dass das für einen Berner
Sennenhund ein durchaus gängiges Alter gewesen ist.
Die allermeiste Zeit deines Lebens hast du mit uns verbracht. Von den ersten Monaten, als wir noch in Kirchheim gewohnt haben und in denen so viel Schnee gefallen ist bis zu deinen letzten Tagen hier in Sierscheid. Nur die ersten Wochen hast du bei deiner Mutter in Viersen gelebt. Du hast bis zum Oktober 2013 in einem Dreierrudel zusammen mit unserem Schnäuzelchen Ginja und deinem Halbbruder Camillo gelebt, unsere Katze Chelsea nicht zu vergessen, die bis 2015 die Chefin im Bernerrudel war. Nach Domino, den du nicht mehr kennenlernen durftest, mussten wir Ginja 2013 gehen lassen und du hast zusammen mit uns um sie getrauert. Jetzt liegst du neben ihr begraben. Im Spätsommer letzten Jahres kam Lulu zu uns, und mit dir hat sie ihren Spielkameraden im Rudel jetzt verloren - Camillo spielt ja nicht. Immerhin hast du mitgeholfen, sie zu erziehen, so wie du immer und bei allen Hunden, denen wir begegnet sind, immer der ruhige, souveräne Chef warst. Selten konnte dich jemand provozieren, denn mit deiner überdeutlichen Körpersprache und Ruhe hast du fast jeden Streit vermeiden können. Und die wenigen Male, in denen dir doch der Geduldsfaden gerissen ist, hast du deine Überlegenheit kurz und schmerzlos deutlich gemacht, ohne deinen Gegenüber zu verletzen. Aber deine Ansagen waren trotzdem deutlich genug. Die intelligenteren unter den Betroffenen waren für immer kuriert - Wolfsspitze und Dackel ausgenommen. Nicht ohne Grund wurdest du auch "Panzer" genannt. Nicht nur wegen deiner imposanten Statur, sondern auch wegen deiner Durchsetzungsfähigkeit. Selbst beim Schmusen konntest du alle anderen einfach beiseite schieben. Wie viele tausend Kilometer sind wir zusammen durch Wiesen und Felder gelaufen. Jeden Weg im Umkreis haben wir gemeinsam erforscht. Und manchmal brauchten wir nicht einmal die Wege. Dabei mussten wir dich in deinen jungen Jahren gleich drei Mal operieren lassen, weil du etwas gefressen hattest, dass weder vorne noch hinten wieder herauskommen konnte. Zuerst eine Nylonstrumpfhose, dann gleich zwei Mal gummierte Gartenhandschuhe. Und das waren nur die drei Male wo es nicht mehr herauskam. Wie oft haben wir gebangt, dass es wieder soweit sein könnte und dann kam es doch wieder raus. Meistens waren es Socken. Mit dem Tierarzt haben wir schon gescherzt, er solle doch einen Reißverschluss einsetzen... Wir haben versucht, alles auch nur annähernd fressbare zu verstecken, aber du hast trotzdem immer etwas gefunden. In dieser Zeit glaubten wir nicht, dass du mal so alt werden würdest. Aber dann hast du zum Glück damit aufgehört. Es liegt eine gewisse Ironie darin, dass du zum Ende hin daran gescheitert bist, überhaupt etwas fressen zu können.
So etwa Anfang Februar hast du angefangen, schlechter zu fressen, was für dich ziemlich ungewöhnlich war. Nur wenn Luna in der Nachbarschaft läufig war, hattest du keinen Appetit. Daher haben wir uns anfangs auch keine Gedanken darüber gemacht. Aber als du angefangen hast, deutlich abzunehmen, sind wir zum Tierarzt. Diagnose: schlechte Bauchspeicheldrüsen- und Nierenwerte. Aber alles nicht bedrohlich. Dazu kam, dass du dich völlig normal benommen hast. Du bist weiterhin gerne mit spazieren gegangen, warst an Luna interessiert und hast lieb mit Lulu gespielt. Leider hast du immer weniger gefressen. Wir haben es mit allem Möglichen probiert, aber wenn du etwas einmal gefressen hattest, hast du es nie wieder angefasst. Ganz zum Schluß warst du so abgemagert, dass du nur noch im Garten gelegen hast. Dabei konnten wir sehen, dass du Hunger hattest. Aber fressen wolltest du nichts mehr. Zwangsweise ernährt haben wir dich ein paar Tage lang, aber ohne großen Erfolg. Auch wenn es uns unendlich schwer gefallen ist, wir konnten doch nicht zusehen, bis du vor Hunger und Schwäche von alleine gegangen wärst. Das hättest du nicht verdient gehabt. Als abzusehen war, dass wir keine Besserung mehr erhoffen durften, haben wir den Tierarzt gebeten, zu uns zu kommen. Den Stress einer Autofahrt wollten wir dir ersparen, so wie wir ihn damals auch Ginja erspart haben. Nach langen Zögern habe ich dich morgens noch auf einen kleinen Spaziergang mitgenommen. Du solltest dich noch einmal lösen dürfen und dich von deiner Umgebung verabschieden können. Und das hast du auch getan. Sogar vorgelaufen bist du, so wie all die Jahre auch. Immer habe ich mich gefragt, ob ich mit dir oder ob nicht du mit mir spazieren gehst. Aber nie bist du "verloren gegangen", so wie damals Domino, der immer hinter mir her getrödelt ist, bis er nicht mehr wusste, wo ich war. Im Garten lagst du danach nur noch müde auf kalten Stellen, was wohl für dich angenehm war.
Die Warterei auf den Tierarzt war vielleicht das Schlimmste dabei, auch wenn trotz aller Eindeutigkeit die Entscheidung, dich gehen zu lassen, ebenfalls schlimm gewesen ist. Du hast die Prozedur mit müden Augen und ohne jeden Vorwurf hingenommen, während ich dich im Arm gehalten habe. Wahrscheinlich war es auch für dich Zeit, zu gehen. Ganz friedlich, ohne jeden Widerstand, bist du eingeschlafen, während ich dich mit Tränen in den Augen an mich gedrückt habe. Wir haben dich in eine Decke gewickelt, in der du gelegen hast, während ich dein Grab ausgehoben habe. Camillo und Lulu waren oft bei dir und haben mit uns getrauert. Dann habe ich dich mit Hilfe unseres Nachbarn zur letzten Ruhe gebettet, eingewickelt in die Decke, damit du nicht schmutzig wirst und es warm hast. Jetzt bleiben uns nur noch Erinnerungen.
Leb wohl, Duncan. Du wirst immer einen ganz besonderen Platz in unserem Herzen haben!

Von unserem Tierarzt
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