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Hochzeit auf Sri Lanka


Da es meine zweite Hochzeit werden sollte, war eine Standardhochzeit auf dem zuständigen Standesamt nicht unbedingt das, was ich mir vorstellte. Immerhin kannte ich das ja schon. Auch meine zukünftige Ex-Verlobte Aga wollte keine Hochzeit von der Stange. Da wegen mir eh keine kirchliche Hochzeit mehr in Frage kam, verfiel sie auf die Idee, im Ausland zu heiraten. Nach anfänglicher Skepsis stimmte ich schließlich gerne zu.

Unsere erste Idee waren die Dominikanische Republik oder Florida. Schnell stellte sich aber heraus, dass die Dominikanische Republik einen wüsten Papierkram an Unterlagen und Voraussetzungen verlangte und Florida einfach zu teuer war.

Im Reisebüro kamen wir dann ganz schnell auf Sri Lanka. Dort konnten wir die Hochzeit mit einer vorausgehenden Rundreise und anschließendem Badeurlaub verbinden, ohne uns dafür überschulden zu müssen. Als weiterer Argument spielte es eine Rolle, dass die erforderlichen Formalitäten eher überschaubar waren. Natürlich reizte uns auch das Land an sich. Welch herrliche Vielfalt die Landschaft, die Leute und ihre Kultur zu bieten haben, geben die Fotos der Rundreise nur andeutungsweise wieder.

Ein Abenteuer ganz besonderer Art ist eine Hochzeit in einem fremden Land und einer ebenso fremden Kultur allemal. Dafür wird man mit exotischem Ambiente, Hochzeitselefanten, Tänzern und Musikern und noch etlichem mehr entschädigt. Ich hoffe, dass die Fotos etwas von dem Flair wiederspiegeln.

Auf jeden Fall kann man sagen, dass im Vergleich hierzu eine Hochzeit auf einem deutschen Standesamt richtig bieder und langweilig ist. Für die Freunde einer weißen kirchlichen Hochzeit mit viel Pomp und ebenso vielen Gästen ist Sri Lanka sicherlich nicht die richtige Wahl. Obwohl wir beobachten konnten, dass gerade Engländer, die ebenfalls dort heirateten, in herkömmlichem Outfit (Anzug und Brautkleid) auftraten. Die Deutschen zog es eher zu den einheimischen Kleidern Sari und Saron, welches bei dem Klima erheblich bequemer sein dürfte. Für Individualisten mit Gespür für das Besondere können wir nur empfehlen, sich einmal mit dem Gedanken, in Sri Lanka zu heiraten, auseinanderzusetzen. Wo sonst schauen einem die Gäste mit Drinks in der Hand in Badeklamotten beim Heiraten zu?


Vorbereitungen:

Natürlich kann man nicht einfach die Koffer packen, nach Sri Lanka fliegen und zum nächsten Standesbeamten rennen.

Zunächst einmal ist ein Gang zum zuständigen Standesamt in Deutschland erforderlich. Dort verfügt man über die benötigten Informationen, was man zum Heiraten im Ausland an Papieren benötigt. St. Bürokratius sei Dank ist das für jedes Land nämlich verschieden.

Was auf jeden Fall erforderlich ist, ist ein "Ehefähigkeitszeugnis". Das hat nichts mit der Bescheinigung körperlicher Reife oder Unversehrtheit zu tun, sondern beglaubigt lediglich, dass man nach deutschem Recht heiraten darf. So verhindert man u.a. Bigamie. Zusätzlich benötigten wir unsere Geburtsurkunden. Ehefähigkeitszeugnis und Geburtsurkunden mussten ins Englische übersetzt und beglaubigt werden.

Erwähnen sollte man, dass die Reisepässe (nicht Personalausweis!) mindestens noch drei Monate am Hochzeitstag gültig sein müssen. Gut, in unserem Fall wollte man die Pässe gar nicht sehen. Aber sicher ist sicher :-)

Der Papierkram muss spätestens drei Monate vor der geplanten Hochzeit über das deutsche Konsulat nach Sri Lanka geschickt werden, damit dort die entsprechenden Vorbereitungen getroffen werden können.

Damit wir nichts falsch machen, haben wir im Reisebüro ein entsprechendes Hochzeitspaket gebucht. Neben den buddhistischen Zeremonien, dem Elefanten, Hochzeitsdinner usw. war auch die Organisation der eigentlichen standesamtlichen Hochzeit enthalten. Daher hat das Reisebüro die Versendung der Papiere in die Hand genommen. Natürlich kann man das auch selbst erledigen. Aber ob man sich bei der eigenen Hochzeit diesem Stress aussetzen sollte, wage ich zu bezweifeln. Zumal das Hochzeitspaket wirklich preiswert war.

Die eigentliche Hochzeit auf Sri Lanka ist dann in einen folkloristischen Teil (buddhistische Zeremonie mit Chor usw.) und einen standesamtlichen Teil geteilt. Die standesamtliche Hochzeit findet in englischer Sprache statt. Es ist also nicht schlecht, wenn man wenigstens "Yes" sagen kann ;-). Zumindest 1998 waren noch zwei Trauzeugen erforderlich. Das Hotel hätte gerne welche gestellt, zumal diese am anschließenden Hochzeitsmahl teilnehmen. Aber wir haben nette Leute kennen gelernt, die diesen "Job" gerne gemacht haben. Dokumentiert wird die Hochzeit in einem riesigen Buch in der verschlungenen landesüblichen Schrift. Nach der Unterschrift des Brautpaares und der Trauzeugen wird ein Drittel der großen Seite aus dem Standesamtsbuch herausgerissen und dem Ehepaar als Urkunde überreicht. Da hierzulande niemand diese Schrift lesen kann, ist ein weiterer Bestandteil des Hochzeitspaketes die Übersetzung dieser Urkunde ins Englische. 

Diese Übersetzung wird zusammen mit dem Original später nach Deutschland geschickt. Die Versendung erfolgt wiederum (ich meine wegen der Beglaubigung) über das deutsche Konsulat.

Die beglaubigte englische Übersetzung der Heiratsurkunde muss dann wiederum ins Deutsche übersetzt werden, bevor man damit zum hiesigen Standesamt gehen kann. Dort wird dann die Eintragung und Registrierung der Hochzeit übernommen und man ist auch nach deutschem Recht verheiratet. Wenn man die Standesbeamtin kennt und diese etwas Englisch versteht, geht es auch ohne Übersetzung.

Das alles hört sich nach viel Aufwand an. Aber es ist wirklich weniger, als man befürchtet. Und die Hochzeit auf Sri Lanka entschädigt sowieso jeden Aufwand!


Die Hochzeit selbst ist ja zusammen mit den Fotos ausführlicher beschrieben.

Wir können nur jedem empfehlen, diesen Schritt zu wagen. Das Erlebnis ist einmalig und unbeschreiblich.

Viel Spaß mit den Fotos.

Aga und Gregor

(verheiratet seit dem 12.12.1998)


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(c) 1999, 2004 Gregor Jonas
www.gregor-jonas.de